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Abschied (31.01.2007)

Wir fliegen wie die Könige. Business Class. Extra Schalter zum Einchecken. Eine extra (einfache) Sicherheitskontrolle, ohne Schuhe ausziehen und extra freundlich. Und dann die Business Lounge. Frühstück am Buffet. Mir ist komisch zumute. Also nehme ich mir einen Kaffee und verdrücke mich auf einen der Sessel in die Raucherlounge. Jetzt ist alles vorbei. Ich kämpfe mit den Tränen. Versuche sie zu unterdrücken, aber schaffe es nicht ganz. „Moskau“. Die Herausforderung. Das Ungewisse. Das Abenteuer. Es ist bestanden. Und es ist vorbei. Wird nie wieder kommen. Jedenfalls nicht in dieser Art. Mein Herz blutet. Hätte ich gar nicht gedacht. Irgendwie kommt jetzt alles hoch. Die vielen Bilder. Wie ich mit einer Zigarette in der Hand auf dem Balkon stehe und zur Universität gucke. Wie ich den Weg zum Büro laufe, am Markt vorbei. Auf dem Markt haben wir oft Obst und Gemüse gekauft. Und um den einen oder anderen Rubel gehandelt. Hier haben wir so oft das leckere Brot „Lawasch“ und die vielen Salate für die Mittagspause gekauft. Neben den nackt-gefliesten Ständen, an denen sie komplette Schweine zerhacken und verkaufen. Gegenüber wurden Gewürze und eingelegte Gurken verkauft. Anfangs war es alles ungewohnt, inzwischen nichts Besonderes mehr. Ein Jahr hinterlässt Spuren. Abläufe werden zur Routine, zu Gewohnheiten.

Ich hatte das Glück, sehr viele verschiedene Seiten Russlands erleben zu dürfen. Von der Insel Kaliningrad, von St. Petersburg, dem „Goldenen Westen“, über Kurgan in Sibirien und Blagoweschensk im östlichsten Teil, im Fernen Osten. Einmal quer durchs Land. Und überall war es anders. Jedes Mal habe ich neue Eindrücke gewonnen. Und alle zusammen ergeben für mich ein wunderbares Bild. Und auch wenn ich Russland längst nicht kenne, und auch die meisten Russen das aufgrund der Größe nicht tun, habe ich ein Gefühl für dieses Land bekommen. Ein Gefühl, was mit Moskau allein nichts zu tun hat. Vielleicht ist das ein Stück der russischen Seele, die Merle Hilbk in ihrem Buch „Sibirski Punk“ gesucht hat. Ein Lebensgefühl. Denn hinter all den verbitterten Gesichter stecken Lebewesen mit Hirn und Herz. Und das zu erkennen, hat sehr lange gedauert.

Nach Moskau bin ich allein wegen Micha gegangen. Der Osten hatte mich zuvor nie interessiert. Nicht mal ein bisschen. Wäre ich zwei Jahre früher geboren worden, wäre es vielleicht anders gewesen. Russisch als Pflichtfach… Nun kehre ich mit der Gewissheit zurück, Heimweh zu bekommen. Heimweh nach Russland. Nach den Menschen hier. Nach der Selbständigkeit. Nach der Entfernung. Und ich weiß genau, dass ich wiederkommen werde. Nicht für länger. Aber um die dreckige, raue, russische Luft zu schnuppern. Um mit der überfüllten Metro zu fahren. Mit den Marschrutkas und den „schwarzen Taxen“, die man am Straßenrand ranwinkt. Um die Schroffheit der Bevölkerung zu erleben. Um all das zu sehen, was ich hier zum Teil gehasst habe. Was aber im nachhinein zu Russland gehört, wie die Pünktlichkeit zu den Deutschen. Und ich kann sagen, dass ich um diese Eigenschaft sehr froh bin. Denn ohne Pünktlichkeit und Ordnung fiel mir mancher Tag in Moskau sehr schwer.

Nun beginnt ein neuer Teil meines Lebens. Genau wie vor einem Jahr. Ein spannender Teil, auf den ich mich sehr freue. Neue Herausforderungen warten auf mich. Im beruflichen und privaten Bereich. Neue Branche, neue (alte) Stadt und ein neues Leben. Nämlich zusammen mit Micha. Und ich bin sehr glücklich, ein paar „alte“ Dinge mit zu nehmen. Meine Freunde.
31.1.07 23:18
 



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