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Urlaub in St. Petersburg (04.07.2006)

St. Petersburg, oder auch Petersburg oder einfach nur halb russisch Peterburg ist meine neue Traumstadt. Von Russland auf jeden Fall und vom Rest der Welt momentan auch. Das kommt sicherlich auch, weil ich zur Zeit das karge, öde, unfreundliche, aggressive und strukturlose Moskau etwas über habe. In Petersburg sind gerade die weißen Nächte. Also auch tausende von Touristen unterwegs. Aber irgendwie haben mich die Massen auf der Straße nicht gestört. Ich hatte ja Zeit, keinen Termindruck. Frei. Es waren viele junge Leute unterwegs. Ohne Bierbüchsen in der Hand wie in Moskau. Die Menschen wirkten aber nicht nur jung, sondern auch offen und international. Ich konnte einfach Englisch sagen, was ich in Russisch nicht wusste. Die Bedienungen haben gelächelt. Alle waren viel freundlicher. Dazu kam das Wetter. Sonne satt. Ich bin braun geworden. Hatte sogar einen kleinen Sonnenbrand auf den Unterarmen. Kein Wunder, denn die Sonne scheint ja auch bis kurz vor Mitternacht. Und auch danach ist es noch hell draußen.

Unser Quartier war klasse. Mit einem großen Doppelbett, einem Sofa, Fernseher, Internet, Badewanne und Küchenzeile. Da es in einem Hinterhof lag, war es zudem noch ruhig. Und trotzdem mitten im Zentrum. Direkt auf dem Nevsky. Also zentraler geht es gar nicht. 10 Schritte von der Haustür entfernt war das Leben. Mit all den vielen Geschäften, Kneipen und Restaurants. Herrlich! Ich weiß nicht, wie oft wir den Nevsky rauf und runtergelaufen sind. Es waren etliche Male. Und jedes Mal toll.

Die Stadt hat ein irres Bild. Stalin blickt hier und da durch, aber die Häuser wirken eher wie kleine Schlösser. Es gibt ja auch überall Paläste von Peter dem Großen und welchen Peters auch immer. Hier ein Sommergarten mit angelegten Wegen, da ein Teehäuschen und dort eine tolle Kirche. Ich könnte stundenlang einfach nur durch die Straßen laufen, die hier wieder wie aus Deutschland gewohnt kleiner waren. Keine achtspurigen Asphaltschneisen. Keine Untergänge. Ampeln! Und dazwischen die vielen kleinen Kanäle und Flüsse. Und das Meer. Der Meerbusen. Allein der Geruch von dem Wasser. Und das Spiel der Wellen. Das alles habe ich durch Moskau erst wirklich schätzen gelernt. In Hamburg hatte ich es vor der Haustür. So wie auch den Büroblick auf den Hafen. Es war normal. Alltäglich. Jetzt aber ist es etwas Besonderes geworden.

Wir sind mit Boten gefahren. Drei Mal. Durch die Stadt und ein Mal vom etwa 30 km entfernten Peterhof zurück. Peterhof war die Sommerresidenz von Peter. Ein riesiger Park mit den üblichen Häuschen und Palästen. Seine Vorliebe für außergewöhnliche Springbrunnen hat er ebenfalls ausgelebt. Ein Baum aus Metall, aus dem an den Enden das Wasser wie aus einer Duschbrause sprenkelt. Oder riesige Springbrunnen mit goldenen Tieren und Figuren drumherum. Schon witzig. Und wären die tausend Menschen nicht da gewesen, wären wir sicher noch viel länger geblieben.

Dorthin sind wir übrigens mit der Elektitschka gefahren. Dem Zug. Eine Art Regionalbahn, die hier wie eine S-Bahn genutzt wird. Ein Erlebnis für sich. Für umgerechnet einen Euro. Man sitzt auf Bänken, die sich wie in einer S-Bahn gegenüber stehen. Nur sitzt man zu dritt auf einer. Und kaum fährt der Zug los, beginnt die Vorstellung. Als erstes kommt eine alte Frau ins Abteil, die irgendein Bild in den Händen hält und singt. Und singt. Und singt. Alle Strophen des Liedes. Mit den Refrains natürlich. Dann kommt eine Frau und preist Rätselhefte an, die sie in der Hand hält. Für 5 oder 10 Rubel das Stück. Ein Euro sind allein 35 Rubel! Direkt im Anschluss gibt es Stifte zu kaufen. Kugelschreiber und was weiß ich. Hier hat es mich doch etwas geärgert, dass ich kein Russisch verstehe, da es sicher nicht uninteressant war, wie die Leute ihre Produkte bewarben. Dann Zeitschriften. Und wieder Stifte. Und als Abschluss auch noch ein singender Gitarrespieler. Von Langeweile kann also nicht die Rede sein. Und kurz vor dem Aussteigen kam auch noch ein Hund hinein. Ohne irgendwen. Lief bis zu unserer Bank, legte sich mitten auf den Boden und schlief ein.

Die Bootsfahrt zurück in die Stadt war ebenfalls ein Erlebnis. Mit einem Luftkissenboot schossen wir den Wellen entgegen. Vorbei an großen Schiffen nach Petersburg. Unter Brücken hindurch und den Ufern entlang. Wie schnell solch ein Boot fährt, muss ich noch im Internet recherchieren. Aber es war schnell.

In der Kirche, an der auch das deutsche Begegnungszentrum angeschlossen ist, haben wir ein Konzert erleben dürfen. Amerika grüßt Russland. Ein Highschoolchor. Sehr gut gemacht. Kein langweiliges Singen, sondern Action. Show. Typisch amerikanisch. Aber irre.

Und auf dem Künstlermarkt haben Micha und ich dann unseren ersten Baustein für unsere Zukunft in Deutschland gekauft. Ein Bild. Ein wunderschönes Bild. Keine Stadtansicht. Ein einfaches, mit Ölfarbe gemaltes Bild. Auf einem schwarzen Hintergrund steht eine weiße Balletttänzerin in Pose. Man sieht teilweise ihre Muskelstränge. Kleine Details. Aber doch alles sehr simpel gemalt. An einer weißen Wand erst bekommt es die richtige Wirkung. Wir haben uns beide in dieses Bild verliebt. Unser erstes gekauftes Stück unserer gemeinsamen Zukunft. Der Wohnung in Berlin. Ich finde das ganz großartig und habe es mit Samthandschuhen im Zug nach Moskau transportiert. Es riecht noch richtig nach frischer Farbe.

Inzwischen bin ich wieder in Moskau. Micha ist noch dort geblieben. Er hat noch eine Woche Seminar. Umso größer mein Heimweh nach dieser wunderschönen Stadt. Aber schon am Sonntag geht es mit dem Flieger nach Kaliningrad. Der nächste Urlaub. Zuvor allerdings ist heute wieder Fußball angesagt. Und dummerweise haben sie neben unserem Haus einen Kran aufgestellt, der in einer bestimmten Position uns das Signal zum deutschen Fernsehen nimmt. Ich bete zu Gott, dass dieser Kran gleich jede anderen Position einnimmt. Sonst steh ich mit den vielen Leuten vor der Leinwand und muss nach Erklärungen suchen.

Zwischenstand (08.07.2006)

Über 13 Gigabytes Musik habe ich auf meinem Rechner. Das sind genau 3218 Songs. 9,7 Tage kann ich Musik hören, ohne auch nur ein einziges Lied doppelt zu hören. Schon irre. 48x habe ich den meistgehörten Song gehört. „Darf ich das behalten“ von Wir sind Helden. Danach gleich Gnarls Barkleys „Crazy“, den ich noch keine zwei Monate auf dem Rechner habe. Es ist eine großartige Erfindung, einen Zähler in die Musikbibliothek einzubauen. Ich liebe iTunes. So habe ich mir die Songs sortiert und höre meine persönlichen Charts der meistgehörten Songs seit ich iTunes installiert habe. Herrlich. Sollte ich mir mal alle halbe Jahre abspeichern. Ist sicher nicht uninteressant in fünf Jahren.

Gestern war meine letzte Fußballübertragung im Deutsch-Russischen Haus. Das letzte Mal alles vorbereiten, Stühle hinstellen, Technik prüfen, Fensterrollos runterziehen, aufräumen… Ein erfolgreiches Projekt war es. Aber ich bin froh, dass jetzt damit Schluss ist. Das Finale heute machen andere im Haus. Denn ich fliege heute nach Kaliningrad. Ans Meer. Habe schon gepackt und der Koffer quillt über. Wenn ich an den Weg zum Flughafen mit der Metro und der Marschrutka denke, wird mir schon ganz schlecht. Und das in dieser Hitze. Aber wenn wir erst da sind. Jeden Tag ins Meer springen, sonnen, spazieren gehen, lesen…

Nachdem ich das wunderbare Buch „Sibirski Punk“ von Merle Hilbk ausgelesen habe, lese ich nun das Selbstmordbuch, welches mir meine Mutter mit nach Moskau gegeben hat. Vier Leute wollen in der Silvesternacht vom Hochhaus springen. Sie treffen sich oben und die Geschichte beginnt. 350 Seiten. Und ich habe sie fast durch. Habe mir für Kaliningrad schon das nächste Buch mitgenommen. Gott, bin ich stolz auf mich. Werde noch zu einer Leseratte. Aus dem einen Buch in fünf Jahren werden nun fünf in einem. Aber mal abwarten wie es weiter geht. Da kenne ich mich gut genug, dass sich das schnell auch wieder ändern kann.

Am Freitag habe ich mich kurzfristig entschlossen, ein Theaterprojekt bei uns Ende Juli auftreten zu lassen. Eine ganze Weile habe ich gezögert. A) haben wir gerade Sommerpause bis Ende August, da alle Russen und deutschen Studenten auf der Datscha oder im Urlaub sind. Und B) ist es verdammt kurzfristig. Aber irgendwie hat es mich gereizt. Es sieht ja auch für das Haus gut aus, wenn nach dem Fußball gleich etwas nachkommt. So halten wir vielleicht ein paar mehr Leute. Und das Stück klingt wirklich spannend. Wir können unseren großen Saal in drei Räume teilen. Es gibt also zwei verschiebbare Falttrennwände. Diese machen wir zu und nutzen den Mittelteil. Ich werde 15 kleine, runde Tische mit Stühlen drumherum aufstellen. Die beiden Fenster werden abgedunkelt. So entsteht ein wenig Café-Atmosphäre. Und inmitten dieser Tische spielen zwei junge Schauspieler das Stück. Sprechtheater. Eine Plotmontage. Das ist ein seit den 20er Jahren vereinzelt angewandtes dramatisches Verfahren der Zitatenkompilation. Als Requisiten gibt es drei Handlampen, eine Torte und eine Sprossenleiter. Es werden 90 Minuten Dialoge, Monologe und Miniaturen von Elias Canetti, Daniil Charms, Fjodor Dostoevskij, Olga u. Adolf Hess, Karl Valentin und vielen anderen vorgetragen, sowie anonyme Kochrezepte, Schnittmuster und Reklametexte. Man wird also zugedröhnt mit den unterschiedlichsten Texten. Und daraus soll dann ein Ganzes werden. Ich bin gespannt.

Jedenfalls habe ich Freitag noch schnell Flyer und Plakate gestaltet und ausgedruckt und alle möglichen Verteiler damit gefüttert. Wenn ich wieder aus Kaliningrad komme, muss ich noch die Presse informieren, damit wenigstens ein paar Leute kommen. Der Nachteil ist ja, dass man die deutsche Sprache sehr gut beherrschen muss, um überhaupt etwas zu verstehen. Vorteil für mich, da ich ja kein Russisch kann. Ich habe gleich Mails an das Goethe-Institut und die Deutsche Botschaft in Moskau geschrieben, dass sie diese Veranstaltung auch über ihre Verteiler mit ankündigen. Schließlich geht es um die deutsche Sprache, die ja ein großes Stück unserer Kultur ist.

Mir kam neulich die Idee, zu Halloween eine Krimi-Lesenacht zu veranstalten. Ob da Leute kommen würden weiß ich nicht, aber ich finde es eine tolle Idee. Ich wollte sowieso mehr Lesungen organisieren. Deutsche und russische Märchen zum Beispiel. Das kostet kein Geld, transportiert Kultur und in anschließenden Diskussionen gibt es zudem einen Austausch. Was will ich mehr?

Mein Fotoaustauschprojekt läuft daneben weiter. Also die Organisation. Wenn alles klappt, dann wird die Ausstellung im Januar sogar im Berliner Maxim Gorki-Theater ausgestellt. Dort ist eine Premiere geplant von einem russischen Stück. Das passt natürlich super. Und es wäre ein weiterer Anreiz für die Fotostudenten. Hoffen wir nur, dass auch alles klappt. Die deutschen Medien habe ich zum Teil schon angefragt, aber noch keine Resonanz bekommen. Und ich habe zwei meiner edel-Kolleginnen angefragt, ob sie mir vielleicht ein paar direkte Kontakt geben können. Denn ich weiß nicht, ob man über die allgemeine Redaktionsadresse immer so weit kommt. Und da wir bei edel eine Radio- und TV-Queen haben, die die besten Kontakte haben, kommt da vielleicht mehr raus. Jedenfalls kommt eins zum anderen. Der eine hilft mir da, der andere dort. Und dann kommt noch ein Zufall dazu und das Projekt wächst und gedeiht. Ist ja auch nicht mehr viel Zeit bis Oktober.

Diese Woche habe ich mich mal wieder an unser Klavier gesetzt. Inzwischen würde ich ja gern ein paar neue Stücke spielen wollen, hätte ich ein paar Noten hier. So habe ich wie immer meine drei, vier Sachen gespielt. Und wie ich so spielte, entstand eine neue Melodie. Vielleicht schreibe ich ja auch nach langer Zeit wieder einen neuen Song. Allerdings muss ich mich dann beeilen, da wir das Klavier ja im Herbst wieder unseren Nachbarn zurückgeben müssen.

Ich weiß nicht, ob ich es schon erwähnt habe, aber ich würde gern einen Podcast erstellen. Kleine Geschichten und Kolumnen aus Moskau. Ein paar Sachen aus meinem Blogg und andere. „Himmel über Moskau“ oder „Leben: Moskau“ könnte er heißen. Die Technik ist im Deutsch-Russischen Haus vorhanden. Nur bekomme ich das technisch mit der Webseite nicht hin. Aber vielleicht liest das hier ja jemand, der sich auskennt und mir helfen kann?

Gerade läuft Nana Mouskuri mit „Liebe ist wie eine Rose“. Kitschig, schmalzig, vielleicht auch peinlich. Aber schon ein großartiger Song. Und diese Stimme. Ich wollte ja vor zwei Jahren in Hamburg auf ihr Konzert gehen. Aber niemand wollte mit. Sie hat eine fantastische Jazz-Platte gemacht. Also nix mit Schlager und so. Diese Frau kann weit mehr!

Vor etwa zwei Wochen habe ich übrigens einen Artikel über Moskau geschrieben. Für ein schweizer Gaymagazin. Den Chefredakteur Tom habe ich letztes Jahr über das Internet kennen gelernt. Wir haben glaube ich erst ein Mal telefoniert, aber viele Mails geschrieben. Ein witzige Beziehung. Wir haben eine Freundschaft aufgebaut, ohne uns je gesehen zu haben. Aber wir haben uns gegenseitig Fotos geschickt. Am Anfang habe ich drei CD-Rezensionen für ihn geschrieben. Dann fragte er nach einem Reisebericht über Moskau. Und nun endlich ist er fertig geworden. Wenn er abgedruckt wurde, stelle ich ihn hier mal zum Lesen rein.

Mich hat neulich eine Redakteurin von moskau.ru angerufen. Sie möchten eine Serie starten unter dem Titel „Deutsche in Moskau“. Ein neues Interview. Wenn das so weitergeht, dann kann ich eine kleine Pressemappe mit nach Deutschland nehmen. Bisher hat mir ja jeder kleine Bericht über mich etwas gebracht. Die Leute kennen mich und man kommt viel einfacher zusammen, wenn es um Kooperationen geht. Ich finde es auch immer wieder lustig, wie viele Leute mich beim Fußball grüßten. Und ich kenne oft nicht mal ihre Namen. Das ist dann wieder peinlich. Gestern hat mir jemand sogar Danke gesagt. Darauf ich mit einem Augenzwinkern, dass ich nichts für den Sieg der deutschen Mannschaft getan habe. Aber für das Zusammensitzen hier und die tolle Stimmung, war seine Antwort. Ohne Frage, das ist Balsam für die Seele. Und das brauche ich hin und wieder. Sonst hätte ich hier schon längst keine Kraft und Energie mehr. Gerade erst Anfang der Woche war ich mal wieder total am Boden. Hinterfragte meine Arbeit und welchen Sinn diese Kulturarbeit eigentlich hat. Ob wir das nicht lieber dem Goethe-Institut überlassen sollten, die ja den öffentlichen Auftrag haben. Und was passiert, wenn ich wieder nach Deutschland fahre? Gibt es dann jemand, der das weiterführt? Oder gibt es dann wie vorher auch einfach keine Kulturarbeit mehr? Jedenfalls habe ich mich wieder aufgerappelt und freu mich jetzt auf meine neuen Projekte. Aber vorher geht es gleich los. Eine Woche Urlaub. Kaliningrad. Wieder Stück Russland.

Kaliningrad (27.07.2006)

Irgendwie habe ich bisher nicht die richtige Stimmung und Zeit gefunden, über den Urlaub in Kaliningrad zu schreiben. Und je weiter der Urlaub wegrückt, desto verschwommener werden die Eindrücke. Also habe ich mir jetzt mal etwas Zeit freigeboxt und fange einfach mal an. Sonst wird das ja nie was.

Als wir gelandet sind, lag mir fast das selbe Bild vor Augen wie in Kurgan. Ein kleiner Flughafen mit einem flachen Bau. Wieder stiegen wir die Treppe vom Flugzeug hinunter und liefen über den Flugplatz zur Ankunftshalle. Soweit man den kleinen Raum als Halle bezeichnen kann. Eher ein Durchgang mit einem kleinen Transportband für die Koffer.

Wir wohnten in Selenogradzk, einem kleinem Ort direkt am Meer. Acht Minuten nur zum Wasser. Logischer Weise waren wir jeden Tag baden. Und das Wasser war fast warm. Herrlich. Das Kaliningrader Gebiet erinnerte mich sehr an Deutschland. Würde man nicht Russsich sprechen und wären die ganzen Schilder an den Straßen und Häusern nicht auf Russisch, dann hätte es auch ein kleines idyllisches Dorf irgendwo in Deutschland sein können. Nur lag unser Ort am Meer. Also richtiger Urlaub.

Wir waren auch in der Stadt Kaliningrad, in der Micha schon ein Jahr lang gelebt hat. Wir haben uns seine alte Wohnung und Wohngegend angesehen. Dort könnte ich mir auch vorstellen, noch ein Jahr zu leben. Und auch in der Stadt gibt es diverse deutsche Spuren. An Häuserwänden blätterte vereinzelt die Farbe ab und der alte Putz kam zum Vorschein. Und dort sah man immer mal wieder alte Abdrücke von Schildern wie „Tischlerei“. Das hat das ganze noch ein wenig heimischer gemacht. Ein Urlaubstipp. Wirklich sehenswert!

Und nun zum Lesen. Ich habe bereits zu Beginn das „Selbstmordbuch“ ausgelesen. Und das neue Buch, welches ich mitgenommen hatte, war einfach zu uninteressant. Also nahm ich mir Micha sein Buch. „Der Schwarm“. Fast 1.000 Seiten. Und ich verschlinge es. Eine wahnsinnig spannende Geschichte. Die Wassertierwelt bäumt sich gegen die Menschen auf. Fiktiv, aber wunderbar realistisch geschrieben. Und so lerne ich nebenbei gleich viele interessante Dinge über Wale, Quallen, Ölvorkommen und über die Wissenschaft kennen. Ich setz mich manchmal nachts in die Küche und lese zwei Stunden. Micha habe ich bereits überholt.

Ich habe endlich einen Podcast erstellt und bin super glücklich. Zwar ist die Qualität nicht die beste, aber es ist hörbar. Wer also nicht nur lesen, sondern auch hören möchte, was ich so mache und erlebe, der sollte mal bei iTunes nach „Himmel über Moskau“ suchen. Zwei Episoden gibt es bereits und witziger Weise haben sich schon über 40 Leute diese heruntergeladen. Wer auch immer sie sind.

Samstag geht es nach Litauen ins Jugendsprachlager. Und ich als Deutschlehrer. Sechs Vormittage von neun bis eins. Die Vorbereitung war mal wieder eine wahnsinnige Arbeit. Aber ich freu mich total drauf. Auf einem Bauernhof. Mit Holzhäusern. Saune. Einem Fluss. Ganz idyllisch. Vielleicht können wir auch im Freien Unterricht machen. Das Wetter soll ja gut werden. Und die letzten Tage fahren wir mit den Jugendlich ans Meer. Gleiches Meer wie Kaliningrad, nur etwas weiter östlich. Ferienlager! Und da ich ja nicht der Grammatikprofi bin, geht es bei mir um Konversation. Reden, reden, reden. Aktives Zuhören, Redewenungen, Funetik... Am letzten Tag spielen wir eine Talkshow zum Thema „Musik ist mein Leben“. Da trifft der HeavyMetal-Sohn auf seine Mutter, die laute Musik hasst. Der Außenseiter Frank ist zu Besuch, der von seinen Mitschülern gehänselt wird, weil er klassische Musik liebt. Katja will ihren Traum als Sängerin verwirklichen, aber ihre Freundin sagt, dass sie gar nicht singen kann. Es wird also lustig. Wahrscheinlich spannender als Vera am Mittag.

Jetzt treffen wir uns mit Thomas, der Samstag zurück nach Deutschland geht. Abschied. Und morgen ist der Theaterabend im Haus, zudem sich einige Leute schon angemeldet haben. Der Saal bleibt also nicht leer, wie vermutet. Und dazwischen noch packen, bevor es Samstag acht Uhr Richtung Flughafen geht.



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