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Sprachlager in Litauen (12.08.2006)

Früh am Morgen holte uns der Fahrer von zu Hause ab. Sonst hätten wir uns wahrscheinlich todgetragen. Eine Sporttasche voller Spiele, Kopien und Sprachmaterial. Dazu unsere Sachen für die knapp 10 Tage. Am Flughafen angekommen, checkten wir auch recht schnell ein und trödelten entlang der Duty Free-Stände. Ein winziger Kiosk hatte tatsächlich drei deutschsprachige Magazine. Und um die Zeit im Flugzeug zu überbrücken, nahmen wir uns den Stern und gingen zur Kasse. Und stellten fest, dass Micha seine Geldbörse zu Hause liegen gelassen hatte. Ich habe mein Geld und die Karten extra nicht mitgenommen, damit wir nicht doppelt unser Vermögen durch die Gegend tragen. Also stellten wir den Spiegel wieder zurück ins Regal und sahen etwas geschockt durch die großen Fensterscheiben auf den Flugplatz. Schon ein komisches Gefühl. So gar nichts zu haben. Nicht mal einen Lolli hätten wir uns kaufen können. Und wir sind extra einen Tag vor Beginn des Sprachlagers losgefahren, um noch eine Nacht in der litauischen Hauptstadt zu verbringen. Wie aber sollten wir die Übernachtung im Hostel bezahlen?

Micha rief Rasa an, die das ganze Lager organisierte und bat um Hilfe. Und tatsächlich: Heiko, der am Nachmittag den E-Journal Kurs leitete, lebt in Vilnius und konnte uns 100 Euro leihen. Also stiegen wir erleichtert ins Flugzeug ein. In eine Propella-Maschine. Winzig klein. Zwei Sitze auf der rechten und nur einen auf der linken Seite. Im Gang konnte man sich kaum drehen. Und als wir da so saßen und flogen, fiel uns ein, dass wir ja irgendwie vom Flughafen zu Heiko kommen mussten. Aber wie bezahlen wir den Bus? Micha sah uns schon mit dem Fußball, den ich im Gepäck als Preis für einen Sprachtest hatte, Kunststücke auf der Straße vorführen, um Kleingeld zu bekommen. Aber stattdessen kramte er in seinen Hosentaschen und fand glücklicher Weise noch 200 Rubel. So trafen wir Heiko, bekamen das Geld und gingen zum Hostel.

In Vilnius gingen wir dann noch bei schönem Wetter durch die Innenstadt spazieren. Es war herrlich. Die Stadt mit ihren kleinen Gassen und Geranien vor den Fenstern hat südländisches Flair. Dazu die Sonne, unter der wir im T-Shirt umherliefen. Wir gönnten uns in einer Pizzeria ein gutes Essen und entspannten.

Nach dem Frühstück ging es mit dem Zug weiter nach Kaunas, wo wir alle Teilnehmer trafen. Von dort aus dann mit zwei Bussen weiter ins Lager. Mitten im Grünen. Wald. Weit und breit kein Lärm, kein Kiosk, kein Dorf. Einfach nur Grün. Alles wunderschön gepflegt. Überall zwischen den Holzhütten standen große, geschnitzte Holzfiguren herum. Den Weg hinunter kam man an einem Amphitheater vorbei zur unteren Hütte, die direkt am Fluss lag. „Norwegen“ dämmerte es mir immer wieder im Kopf. Genau wie damals, auf einer der vielen Reisen, die ich mit meinen Eltern verbracht hatte. Der Geruch von Gras, Holz und Natur. Der Tee aus Waldkräutern stand schon bereit und ich fühlte mich einfach nur wohl.

16 Teilnehmer waren in meiner Gruppe. Die Fortgeschrittenen. Alle zwischen 16 und 22 Jahre alt. Und natürlich hatte am ersten Morgen keiner wirklich Lust. So verliefen die ersten Stunden bis zur Teepause etwas zäh. Ich war auch ein wenig aufgeregt, was sich aber gleich wieder legte. Nach der Pause habe ich ein paar Spiele mit denen gespielt und alles war gut. „Reden/Sprechen“ war mein Thema. „Aktives Zuhören“, „Diskutieren“ und „Frage-Antwort“. Alles systematisch. Mit „Jugendsprache“ und „Redewendungen“. Bis zum Ende, an dem wir eine Talkshow spielten. Und es hat geklappt. Mit vielen Spielen, Beschreibungen, und auch einem Test ist mein Konzept aufgegangen. Die Teilnehmer reflektierten sich selbst und überwanden ihr „keine-Lust-Gefühl“. Wir hatten richtig viel Spaß zusammen. Es gab ein wahnsinniges Gruppengefühl, jeder half dem anderen und keiner funkte dazwischen, obwohl ich alles sehr, sehr locker gehalten hatte. Die meiste Zeit waren wir draußen auf der Terrasse. Mit Blick auf den Fluss.

Nach meinem Unterricht hatte ich frei. Konnte schlafen, auf der Wiese liegen und den Libellen und Schmetterlingen nachschauen, lesen oder auch den nächsten Tag vorbereiten. Dann war Micha an der Reihe, der ein Workshop zu „Gesunde Lebensweise“ leitete.

Der anstrengendste Tag war wohl der Donnerstag. Neptunfest. Und ich als Neptun. Nach dem Unterricht hieß es also statt erholen basteln. Kostüm, Urkunden, Requisiten… Meine Wassernixen (die Betreuerinnen) und ich trugen ein Boot runter zum Fluss, etwa 200 Meter vom Lager entfernt. Dort zogen wir uns um und warteten im Boot zusammengekauert, bis Micha aus der Ferne ein Zeichen gab, dass alle Teilnehmer sind. Und dann das übliche Vorgehen. Vier Jugendliche wurden getauft. Und sie hatten sichtlich Spaß daran. Die Fänger hatten keine Mühe, denn alle wollten getauft werden. Niemand rannte weg. Spiel also halb verfehlt. Sie kannten eben kein Neptunfest. Aber wir hatten trotzdem Spaß. Besonders danach im Wasser.

Am Wochenende ging es dann auf die Kurische Nehrung. Diesmal aber die andere Seite. Die gepflegtere. Aber nicht wirklich schönere. Alles ist wie geleckt. Ein Nobel-Kurort. Jeder hat direkt an der Strandpromenade sein Häuschen mit 3 qm Rasen drum herum. Und dieser wird mit der Nagelschere geschnitten. Täglich! Mir fehlte die Natur. Das grobe, unberührte. Das hat man dann auf der anderen Seite in Kaliningrad. Aber trotzdem gut, mal gesehen zu haben.



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