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Umschwung oder kleines Loch? (11.09.2006)

Alles läuft so vor sich hin. Alltag. Hier und da etwas, über das ich mich freue, aber es überwiegt die Lustlosigkeit. Warum nur? Seit dem Deutschlandbesuch ist irgendwie die Begeisterung und Motivation total erloschen. Es ist nicht alles schlecht, aber das Gute, das Schöne fehlt irgendwie. Bei der Arbeit muss ich mich immer wieder zusammenreißen, sonst würde gar nichts mehr passieren. Sogar die Kollegen reden schon darüber, dass ich so selten Lache und immer nur müde bin. Was ist das? Ein Loch? Oder ab jetzt Dauerzustand? Eine kleine Kriese? Ich weiß es nicht, hoffe aber, dass es nicht bis zum Ende so weiter geht. Denn ein paar Monate habe ich noch vor mir. Auch wenn diese sehr schnell vergehen werden.

Deutschland war toll. Allein das Gefühl, wieder Zuhause zu sein. Alles war so, wie ich es kenne und gewohnt bin. Alles funktionierte wieder. Ich blühte auf. Traf die vielen Freunde und meine Familie. Kaum war ich zurück, wurde alles etwas trostloser. Tobi gab seine Abschiedsparty und war weg. Ich bin neidisch. Sehr sogar. Aber will mich nicht mit diesen Gedanken herumplagen. Denn auch hier gibt es neue Leute. So war ich gerade mit Katha und Diana beim German-Speakers-Club (warum auch immer er einen englischen namen hat). Russen, die untereinander Deutsch reden wollen. Und es war echt toll. Am Anfang gab es noch ein Vorstellungsspiel, dann verzweigte sich alles und jeder Sprach mit jedem. Einige konnten richtig gut sprechen, andere hatten ein paar Probleme. Aber jeder gab sich mühe. Es steckte ja auch kein Zwang dahinter.

Heute bin ich früher von der Arbeit weg. Hab alles erledigt und brauchte mal Zeit für mich. Einfach nur rumdödeln. Nichtstun. Hauptsache, das schleicht sich jetzt nicht bei mir ein. Irgendwie muss ich die Motivation wieder zurück bekommen.

Gerade waren Kai und Jörg aus Berlin zu Besuch. Ich bin mit ihnen durch ganz Moskau gelaufen. Kenne jetzt alle Bahnhöfe auswendig. Und habe endlich mal die Universität gesehen. Also ich stand direkt davor. Ist schon gigantisch. Und im Dunkeln sieht es noch viel schöner aus.

Morgen habe ich ein Meeting im Swissotel mit allen Partnern vom Fotostudentenaustausch. Bin sehr gespannt wie es laufen wird. Nicht mal mehr einen Monat und es geht los. Da muss noch einiges gemacht werden. Und dazu noch die vielen Veranstaltungen im Haus. Diese Woche muss der Plan für Oktober fertig sein. Dann noch November und das war’s. Im Dezember passiert nicht mehr viel. Merle Hilbk gibt eine Lesung und dann sind alle im Urlaub.

Ich renne andauernd auf Toilette, denn ich trinke seit Freitag Abend literweise Tee. War etwas angeschlagen und hatte einen rauen Hals. Kaum Zigaretten geraucht und nun geht es wieder ganz gut. Will es aber noch nicht übertreiben. Da tut ein früher Feierabend auch ganz gut, hehe.

Unendliches Russland (20.09.2006)

Ich bin satt. Von der Arbeit, aber vor allem vom Essen. Seit Tagen kaufen wir frisches Brot vom Markt und bringen Salate, Wurst und Käse selbst mit. So auch heute. Und es schmeckt so gut. Und wir sitzen so lange. Und reden. Meistens über die Firma. Über Mitarbeiten, Ideen, neue Projekte oder Probleme. Heute saßen wir knapp zwei Stunden. Es gab einige Neuigkeiten. Auch für mich. Denn Anja, der Oberhaupt der Spracharbeit bei uns, hat die wunderbare Idee, zusammen mit mir im Januar zwölf Tage nach Ostsibirien zu fliegen. Also etwa acht Flugstunden von Moskau und fast genausoviele Zeitzonen entfernt. Ganz am anderen Ende. Da, wo das das Meer beginnt. Mein Gott ist dieses Land groß. Und dort geben wir dann zehn Tage Deutsch-Intensiv Kurse. Phu, dachte ich zuerst. 80 Stunden Unterricht ist eine Menge. Aber zusammen mit Anja wird das sicher mehr Spaß als Arbeit für uns. Ich bin für die Spiele und „außergewöhnlichen“ Themen zuständig, sie dagegen ist die „Sprachtante“, wie sie sich selbst betitelte, für Grammatik usw. Das klingt doch gut. Und wieder kommt mein Theme „Jugendsprache“ vor. Es ist herrlich. Aber es wird auch eine Herausforderung werden, denn wir unterrichten Deutschlehrer. Das Sprachniveau bei ihnen ist eher niedrig, im Gegensatz zu uns Muttersprachlern. Das Alter ist das Interessante dabei. Keine Jugendlichen, mit denen man feixen kann. Die Kunst wird darin bestehen, die „älteren“ Damen und Herren zu überreden, die ganzen Sprachspiele mitzumachen. Ihnen damit gleich zu zeigen, wie man den Unterricht alternativ gestalten kann. Ich bin gespannt. Vorerst muss das Organisatorische und Finanzielle abgesprochen werden, aber das sollte kein Problem darstellen.

Ansonsten sitze ich im Büro und ärger mich, rege mich auf, oder bin dabei, das ganze zu unterdrücken. Spaß macht inzwischen nur ein winziger Teil. Und diesen versuche ich natürlich auszubauen. Das Wort „Arbeit“ habe ich für die restliche Zeit in Moskau neu definiert. Statt Arbeit, Privat und Leben zu mischen, trenne ich Arbeit und Freizeit. Gehe also nach der Arbeit raus und lebe. Das klappt bisher wunderbar. Ist zwar so gar nicht meins, da ich meine Arbeit bisher fast immer gelebt habe und es keine Grenze gab, aber es ist ja nur für einen bestimmten Zeitraum. Und zwischendurch kommen immer mal wieder so tolle Sachen wie Workshops im fernen Russland.

Danke für die E-Mails als Reaktion des letzten Beitrags. Ich war sehr erstaunt über die emotionalen Worte. Und es tat gut zu wissen, dass es ein Zuhause gibt. Danke!

Auf und ab (28.09.2006)

Gestern Vormittag kam ich noch mit einem strahlenden Gesicht ins Büro von Irina (Direktorin). Sie selbst war ganz erstaunt, dass ich in den letzten Tagen so gute Laune hatte. Aber es gab auch einige Gründe dafür. Z.B. durfte ich endlich die Beleuchtung für unseren Saal kaufen. Dieses helle, weiße Klassenzimmerlicht von der Decke eignet sich einfach nicht für Lesungen, oder Konzerte. So habe ich zwei Ständer und vier Scheinwerfer gekauft, die wahlweise blaues, grünes, gelbes oder rotes Licht werfen. Und da noch Geld übrig war, kam ich an einer Diskokugel nicht vorbei. So können sich die Besucher bei einem Hörspiel oder einer Lesung den „Sternenhimmel“ ansehen. Und für unser Konzert im Oktober der Berliner „Kleingeldprinzessin“ ist das ja auch super geeignet. Dann kamen die Poster und Flyer vom Goethe-Institut an, die dieses Konzert ankündigen. Und schön mit dem Logo von Deutsch-Russischen Haus. Wir selbst haben ja für so etwas kein Geld. Und bei Veranstaltungen, die wir mit dem Goethe-Institut zusammen organisieren, zahlen wir es ja nicht. Über solch kleine Dinge also freue ich mich.

Einige neue Projekte haben sich für 2007 ergeben. Da mache ich mir natürlich Gedanken, wer diese umsetzt. Das vorhandene Personal ist nicht unbedingt in der Lage und ich möchte die Projekte die ich an Land ziehe, ja auch gut durchgeführt wissen. Also spielte ich sogar mit dem Gedanken, projektbezogen wieder nach Moskau zu kommen. Was für ein Wandel, war ich doch vor ein paar Wochen noch kurz davor, den Job hier zu kündigen.

Dann allerdings gab es am Abend die Vernissage und Preisverleihung des Fotowettbewerbs, den die GTZ und somit auch das Haus veranstaltet hat. Organisiert wurde alles von einem Praktikanten. Ich sollte mich darum nicht kümmern. Wie auch immer, es war ein Desaster. Und mir total unangenehm, denn in der Jury waren u.a. Leute von der Deutschen Botschaft und vom Goethe-Institut. Und jeder weiß, dass ich der Kulturmensch hier bin und normaler Weise solche Veranstaltungen organisiere. Wer sagt denen denn, dass ich damit nichts zu tun habe? Mit den Bildern, die schief und ungeordnet an der Wand hingen. Mit dem Programmzettel, der genau bis auf die Minuten den knapp einstündigen Ablauf beinhalteten. Es kamen 29 Besucher. Heute allerdings wird herumgezählt, dass es 40 bis 50 waren. Super Sache! Dumm nur, dass ich bei jeder Veranstaltung automatisch die Besucher genau zähle, da ich es bei meinen eigenen für die Statistik machen muss. Egal. Das war ja gestern. Und diese Meinung kommt hier von den deutschen Mitarbeitern. Den Führungspositionen. Bei den Russen ist es die Menthalität, das habe ich begriffen. Aber so?

Also wieder ein Tief. Und ich sitze im Büro habe keine Lust und will wieder nach Deutschland. Nach Hause. Aber ich weiß, dass das nächste Hoch nicht weit ist. In einer Stunde fahre ich meine Schwester vom Flughafen abholen, die für ein paar Tage zu Besuch sein wird. Dann geht es mir wieder gut.



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