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Aufregung (01.02.2006)

In einer Woche geht’s los. Dann schwebe ich gerade über den Wolken und lande in wenigen Minuten in Moskau. Dann habe ich mich von allen und allem verabschiedet. Dann bleiben mir nur noch meine Koffer aus Deutschland.

Immer wieder steigt die Aufregung in mir. Es kommt immer öfter und intensiver. Kribbeln im Bauch. Herzpochen. Und immer erscheinen tausende von Fragen in meinem Kopf. Wie wird der Abschied am Flughafen sein? Werden wir gleich eine Wohnung finden? Wie werden die ersten Tage dort sein? Werde ich allein zurechtkommen? Hat mir der Sprachkurs etwas genützt? Was, wenn ich etwas vergessen habe? Immer wieder seh ich mich beim Packen meiner Koffer. Wie viele werden es sein? Nehme ich alles mit oder hole ich mir die Sommersachen später?

Die Pässe mit den Visa sind da. Sieht schon schick aus. Für den einen ein blöder Aufkleber mit Daten drauf, für mich irgendwie mehr. Mein zweites. Habe von meinem ersten Besuch letztes Jahr auch noch die original Einladung. Sieht aus wie eine offizielle Urkunde. Toll. Werde ich mir irgendwann mal einrahmen und aufhängen.

Wohnungen für uns gibt es dort viele. Haben uns schon durch etliche Internetseiten geklickt. Und unsere Traumwohnung gefunden. Nun hoffen wir, dass sie noch nicht weg ist. Stalinbau (ich liebe diese Bauten, meine Oma hat früher in einem in der Karl-Marx-Allee gewohnt), vier Zimmer. Ein Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, beide mit schön großen Fenstern und gleich groß. Eine Küche mit Platz zum Essen und einem Balkon. Ein normales Badezimmer. Ein Arbeitszimmer mit einem großen tollen Holzschreibtisch und ein Kinderzimmer, was ein ideales Gästezimmer wäre. Mit einer Schlafcouch drin. Und das in der Nähe unseres Büros. Also ideal. Zu Fuß vielleicht 15 Minuten. Aber lieber nicht verlieben, vielleicht ist sie auch schon weg.

Noch zwei Tage Russisch. Die letzten. Einerseits schön, da ich mich immer wieder zwischendurch motivieren muss das durchzuziehen. –Gelang bisher auch immer bei dem Preis. Andererseits war es das dann. Der Rest muss dort kommen. Und ich habe inzwischen ein hohes Ziel. Nach dem Jahr will ich die Sprache gut beherrschen. Mich ohne Probleme unterhalten können. Da hab ich mir was vorgenommen.

Warum auch immer lerne ich zur Zeit sehr viele Menschen kennen, die mir in irgendeiner Form nützlich sind oder helfen. So traf ich mich gestern mit jemanden, der eine Tanzcompany hat und modernen Ausdruckstanz macht. Er gab mir 3 DVDs von verschiedenen Stücken mit und ich bin fasziniert. Sie kommen im Juni nach Moskau zu einem Festival. Wie toll. Vielleicht kann ich da gleich ein Austauschtreffen organisieren und meine Tänzer einladen. Wer weiß. Die Ideen sprudeln aus mir heraus und ich versuche sie zu bremsen. Denn ich weiß zu wenig, was dort möglich ist, ob ich Geld zur Verfügung habe, wie die Künstler sind…

Auch lernte ich jemanden im Chat kennen, der in der gleichen Firma arbeitet wie ich es tun werde. Und er ist schon fast zwei Jahre dort und bleibt auch noch ein Jahr. Habe also schon bei der Arbeit Leute, die mich verstehen und mir wo auch immer helfen können. Zufälle gibt’s…

Die Besuche nehmen Form an. Nachdem der erste bereits fest steht und schon fertig organisiert wurde, ziehen immer mehr nach. Hätte nicht gedacht, dass doch so viele die Chance nutzen und Moskau kennen lernen wollen. Aber man wäre auch blöd, wenn man es nicht tun würde.

Schlaflos (05.02.2006)

Ich kann nicht schlafen. Wälze mich im Bett hin und her. Dreh mich von der einen auf die anderen Seite. Meine Füße sind kalt. Versuche sie zu wärmen. Vergebens. Mein Herz pocht. Ich kann es hören, so laut schlägt es. Es pumpt das Blut durch meinen gesamten Körper. Mal schneller und lauter, dann wieder etwas langsamer. Meine ganze Konzentration liegt auf dem Rhythmus.

Starre in die Dunkelheit. In die Leere. Meine Gedanken liegen brach. Bin müde, aber kann nicht einschlafen. Versuche es mit autogenem Training. Achte auf meinen Atem. Versuche ihn gleichmäßig und ruhig zu halten. Stelle mir vor, wie mein Kopf immer schwerer wird. Dann meine Arme und Beine. Stelle mir vor, wie sich alles entspannt. Fahre eine endlose Allee entlang. Links und rechts Bäume. Kahl. Es ist Winter. Die Straße verläuft gerade, keine Kurve oder Biegung. Immer weiter.

Irgend etwas lässt mich aufhorchen. Kein Geräusch, kein Licht. Nichts. Trotzdem schlägt mein Puls wieder doppelt so schnell. Die Schwere ist dahin. Alles wie vorher. Kann nicht schlafen. Ich bin aufgeregt. Noch zwei Tage. Muss noch packen. In Gedanken gehe ich die restliche Zeit durch. Morgen zu meinen Eltern. Alle Sachen raussuchen und einpacken. Meine Oma kommt vorbei. Mich verabschieden. Kaffee und Kuchen. Reden. Hippelig sein…

Will mich ablenken. Lege mir ein Hörbuch ein. Kurzgeschichten. Normaler Weise schlafe ich dabei sehr schnell ein. Heute nicht. Lausche gespannt den Worten zu. Bin in den Erzählungen vertieft. Wache zwischendrin auf und merke, wie sehr ich abgelenkt wurde. Mein Herzschlag ist normal und ruhig. Bin hellwach. Die Müdigkeit ist verschwunden. Komplett.

Mach mir Musik an. Emotionale Lieder. Versinke darin. In den besungenen Gefühlen. Schwelge in Gedanken an Liebe. Eine ganze Stunde lang. Dann muss ich aufstehen. Rausgehen. Aber was tun? Zünde mir eine Zigarette an und gehe in den Partykeller. Nehme den Laptop mit und fange an zu schreiben.

Ankunft (08.02.2006)

Die letzten Tage rasten nur so an mir vorbei. Der Wecker klingelte 6 Uhr und ich wusste, in ein paar Stunden sind wir da. In Moskau. Und so war es auch. Aber zuvor genossen wir noch den Flug in der Business Class. Gemütliche, fast sesselgroße Sitze mit allen Verstellvariationen. Freundliche Flugbegleiter und eine Menükarte zum Auswählen des Essens. Schon nicht schlecht.

Unser Übergepäck, wir hatten insgesamt etwa 87 kg, wurde in Deutschland beim Abflug nicht berechnet. Und auch die Russen hatten keine Probleme damit, dass wir mit etlichen Koffern dem Ausgang entgegensteuerten.

Der Fahrer stand bereits am Ausgang und so ging es ohne Verzögerung mit dem Auto in die Stadt, zu unserem Hotel. Eine Kategorie besser als das letzte, in dem wir im Oktober letztes Jahr wohnten, welches sich auch hier gleich um die Ecke befindet und nur die Hälfte kostet. Aber auch hier gibt es kein Vergleich zu den deutschen Hotels. Das Kunststoffregal in der Dusche ist nach unten verbogen und somit nicht zu benutzen. Die komplette Dusche ist verkeimt. Das Silikon in den Ecken ist goldbraun gefärbt. Aber ich fühle mich diesmal nicht ganz so unwohl. Erstens kenne ich die Situation und wusste vorher, was auf mich zukommt, und dann habe ich im Kopf, dass es nur ein paar Tage sein werden.

Es ist kalt draußen. Minus 20 °C. Aber es ist toll. Der Himmel zeigt nicht eine einzige Wolke und die Sonne strahlt. Es sieht aus, als wäre es Sommer. Nur der viele Schnee und die Kälte sprechen dagegen. Heute Abend schauen wir uns zusammen mit der Maklerin drei Wohnungen an. Ich bin gespannt.

Wohnung (09.02.2006)

Die Maklerin holte uns gestern Abend mit einem Fahrer ab. Jede größere Firma hat hier anscheint Fahrer, was allerdings sehr angenehm ist, denn der Verkehr ist Wahnsinn und die Autos fahren hier kreuzfeldein.

Die erste Wohnung entsprach dem, was ich mir vorgestellt habe. Kein Luxus, aber für ein Jahr Russland akzeptabel. Alles etwas verkeimt, was man ja aber sauber machen kann. Hier und da waren Ecken von den Schranktüren abgeplatzt, der Kalk lagerte in der Spüle und im Kühlschrank. Die Fenster waren mit Schaumstoff umrahmt, und trotzdem zog es überall durch. Dafür gab es ein Klavier und ein wunderschönes, modernes Bad.

Die zweite Wohnung war vom ersten Eindruck wesentlich besser. Sauberer, gepflegter, schönere Möbel. Nur die Zimmeraufteilung war unpraktisch. Das Schlafzimmer war viel zu groß und das Wohnzimmer dafür sehr klein und eng. Aber die Küche war geräumig.

Die dritte Wohnung dann war der Hammer. Wir gingen durch die Tür und befanden uns in einem großen Flur. Links an der Wand stand ein Regal mit Türen. Der Fußboden war aus schönem, alten Parkett. Die Wände waren renoviert mit teurer Tapete und um die Türen Bordüren geklebt. Zwar nicht mit dem schönsten Muster, aber edel. Rechts hinter der ersten Tür befand sich das Schlafzimmer. Ein riesiges Schlafzimmer. Mit einem kleinen verglasten Balkon Richtung Hof. Eine wunderschöne, riesige Schrankwand aus Italien in dunkelbraun stand gegenüber des großen Bettes.

Eine Tür weiter war das Kinderzimmer. Etwas kleiner. Ein normales Kinderzimmer eben. Auf der rechten Seite stand eine Anbauwand über die komplette Breite. Mit einem Mini-Basketballkorb an der Schranktür.

Am Ende des Flurs gab es frontal zwei Türen. Ein Bad mit einer Massage-Sprudel-Badewanne, einem großen Spiegel und türkisen Fließen. Das Waschbecken war breit und altmodisch. Aber schön. Die Toilette daneben hatte nur diese in sich. Umrahmt von weißen Regalen.

Links vom Flur befand sich das Wohnzimmer. Ein großes, leicht länglich gezogenes Zimmer mit noch einem verglasten Balkon. Dort stand ein massiver, moderner Holztisch mit eingelassener Glasplatte. Fünf Stühle in dem gleichen Holz gab es auch. Die Fenster zeigten zur großen, sehr viel befahrenen Straße. Waren aber dicht und ließen nur wenig Geräusche durch.

Gegenüber des Wohnzimmers war die Küche. Sie erinnerte uns an den Süden. An Urlaub in Italien oder Spanien. Sie war geräumig, hatte viele Holzschränke zum Verstauen und einen Frühstückstresen. Die Waschmaschine war unter der Spüle integriert und in der Ecke stand ein riesiger Kühlschrank mit Tiefkühlfach. Der Fußboden war gefliest mit sehr schönen Fliesen in Terrakotta Ein Durchgang führte ins letzte Zimmer. Ein sehr, sehr kleines Zimmer. In der Ecke hing ein Fernsehhalter an der Wand. Vielleicht das Fernsehzimmer?

96 qm groß war sie. Zusätzlich war die Wohnung mit einer Alarm- und einer Klimaanlage ausgestattet. Die Zimmertüren waren alle aus Vollholz und mit eingelassenem Glas. Ein Safe gab es auch, ganz versteckt.

Wir entschieden uns noch vor Ort für diese Wohnung. 2000 Dollar Miete im Monat kostet sie, was wir eh als obere Grenze geplant hatten. Und die Möbel? Diese wollte der Vermieter wieder reinstellen. Der Vormieter, ein Holländer, der bis Oktober 2005 hier gewohnt hat, wollte keine Möbel haben. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag im Office der Maklerin, um den Vertrag zu besprechen.

Deutsch-Russische Veranstaltung (11.02.2006)

Gestern Abend hatten wir die erste Veranstaltung in der Firma. Der alte Geschäftsführer vom Deutsch-Russischen Haus wurde verabschiedet und eine neue begrüßt. Eine sehr offizielle Veranstaltung. Alle Firmen aus dem Haus waren geladen und auch verschiedene Personen aus der Botschaft. Dass ich schon am dritten Tag meinen Anzug trage würde, hätte ich nicht gedacht.

Es wurde zu Beginn kurz die Arbeit der GTZ vorgestellt. Alles zweisprachig. Sehr interessant für mich, welche Ziele sich diese Firma hier in Russland gesteckt hat. Kultur war ein großer Punkt. Vor, zwischen und nach den Reden präsentierten junge Musiker ihr Können. Eine Pianistin und zwei junge Frauen am Mikrofon. So konnte ich mir schon mal ansehen, mit was für Künstler ich hier zusammenarbeiten werde.

Das Büffet wurde eröffnet. Micha grüßte hier und da jemandem und war in Gesprächen vertieft. Ich war also auf mich allein gestellt. Ab und zu redeten Leute deutsch miteinander, meistens jedoch russisch. Ich sah meine neue Chefin und ihren Mann. Wusste allerdings nicht so recht, wie ich sie ansprechen sollte. Ich wusste, dass man den Frauen in Russland nicht die Hand gibt, kam mir aber komisch dabei vor. Sie würden mich wohl auch nicht erkennen. Letztes Jahr im Oktober habe ich mich bei Ihnen kurz vorgestellt. Viel zu lange her. Und nun stand ich ja auch noch im Anzug da. Ich fasste mir ans Herz und sprach Frau Martens an. „Hallo, ich bin der sowieso und wollte nur kurz sagen, dass ich schon in Moskau bin.“ Sie erkannte mich, hatte ein kurzes Lächeln auf den Lippen und erwiderte: „Sie sind schon da, gut.“ Das war die Unterhaltung. Mehr war wohl nicht zu sagen. Kurz und knapp. Hilfe!! Ich kam mir so blöd vor. Später am Büffet traf ich ihren Mann, der mich sofort erkannt, sein Glas abstellt und mir die Hand gab. Mehr aber auch nicht. Aber immerhin.

Ich ging kurz raus vor die Tür. Zündete mir eine Zigarette an. Eigentlich wollte ich hier zum Gelegenheitsraucher werden und nur mit anderen zusammen in der Kneipe oder so rauchen, aber diese Situation war auch eine Gelegenheit. Ich musste mich kurz sammeln und die Zeit überbrücken, da Micha immer noch in Gesprächen vertieft war. Es war schweinekalt. Hatte ja nur die dünne Anzughose, ein Hemd und das Jackett an. Nach zwei Zügen wurde mir leicht schwindelig im Kopf. Der Rauch, die eisige Kälte, die Aufregung. Also rauchte ich ganz langsam. Hatte ja eh nichts zu tun. Die Kälte jedoch zwang mich dazu, die halbe Zigarette in den Ascher zu werfen und wieder hineinzugehen.

Ich stellt mich an eine Wand und beobachtete die Leute. Wie sie sich selbst feierten, das Büffet genossen und sich unterhielten. Irgendwann bemerkte ich, dass auch ich beobachtet wurde. Jedenfalls bildete ich mir das ein. Und so zog ich mich zurück, nahm mich die Moskau-Deutsche Zeitung, setzte mich auf einen der Sofas im Vorraum und las.

Wieso ist es eigentlich so schwer, sich selbst zu unterhalten? Sich auf einer solchen Veranstaltung auch zu amüsieren. Neue Leute kennen zu lernen? Ein weiteres Ziel, welches ich mir hier gesetzt habe. Zu lernen, auf Leute zuzugehen. Den ersten Schritt zu machen und sie ansprechen. Das, was jeder von mir denkt, dass ich es kann. Ich kann es aber nicht. Den zweiten Schritt kann ich, dann bin ich offen und kann reden. Aber der erste sitzt in meinem Hals wie ein dicker Klos. Vor allem in einem solchen Rahmen. Hier kann man mit einer lockeren Art und einem gewissen Humor nicht viel Überspielen. Hier geht es sehr förmlich und gesittet zu.

Es schneit (12.02.2006)

Die zweite Nacht in unserer neuen Wohnung ist vorbei. Ich bin gerade von einem Geräusch aufgewacht, als würde Metall auf Beton scharren. Monoton, abgehackt und immer wiederkehrend. Ab und zu gab es kleine Pausen. Also stand ich auf und ging zum Fenster. Es hatte wieder geschneit. Es muss ein Schneefeger gewesen sein, ich konnte ihn aber nicht sehen. Ich ging in die Küche, um auf die große Straße zu sehen. Sie war weiß. Eine riesige Straße, auf der jede Sekunde drei Autos vorbeifuhren. Aber der Schnee blieb liegen. Es sah toll aus. Ich kochte in dem neuen Wasserkessel Wasser und machte mir Kaffee. Der erste Kaffee hier in Moskau.

Gestern brachte der Vermieter die restlichen Möbel. Nun hatten wir im Kinderzimmer ein ausklappbares Sofa von Ikea in einem hellen Grün. Eine Couch und zwei Sessel in einem noch hässlicherem Grün, aber aus Leder und sehr bequem. Einen Fernseher und ein wenig Geschirr. Das heißt zwei Pfannen, einen Topf, sechs kleine Untertassen, sechs sehr kleine Abendbrotteller, zwei winzige Kaffeetassen, den tollen Wasserkessel (Ikea), zwei Gabeln, Löffel und ein Brotmesser. Normale Messer werden in Russland wohl nicht so häufig benutzt, da sie Unglück bringen. Uns nicht, also werden wir uns welche kaufen. Bisher haben wir uns das Brot mit der Klinge eines kleinen Taschenmessers geschmiert, was aber sehr umständlich war. Den Fernsehtisch und eine Glasvitrine brachte er noch verpackt. Diese haben wir gestern Abend aufgebaut und gleich das Wohnzimmer umgestellt und neu eingerichtet. Nun fehlt nur noch ein Schreibtisch zum Arbeiten. Diesen kaufen wir nächste Woche und ziehen das Geld von der Miete ab.

Die Koffer haben wir auch schon ausgepackt. So viele Schränke wie wir haben, können wir gar nicht füllen. Das Bad und die Küche wurden erst mal geputzt. Glücklicher Weise habe ich Dinge wie Magnete und Sonnenblumen und Schmetterlinge mit Saugnäpfe mitgenommen. So sind das Bad und die Küche gleich heimisch und persönlich. Am Kühlschrank und an der Wand im kleinen Zimmer hängen Crazy Frog-Posterkalender, die ich mir vor dem Umzug nach Berlin von Jamba hab schenken lassen. Auch die Fotowand hängt in der Küche und somit sind auch unsere wichtigsten Freunde und die Familie bei uns.

Heute kommt der Kabelmann, der uns das Kabelfernsehen anschließt, welches wir Vorgestern beantragt und bezahlt haben. Auf dem Sonntag. Hier arbeiten eh sehr viele Menschen am Wochenende. Auch die Supermärkte haben jeden Tag offen. Ein Traum!

Im Supermarkt waren wir gestern auch und haben die Grundnahrungsmittel eingekauft. Dieser hat eine Clubkarte, mit der man auf gewissen Produkte Rabatt bekommt. Wir haben uns jeder eine gekauft und bereits mehr gespart als sie gekostet hat. Ich bin gespannt, wie viele solcher Karten ich in einem Jahr habe. Und wie viel wir dadurch sparen.

Gebrochenes Eis (17.02.2006)

Gestern war Open BC-Treffen. Hätte nicht gedacht, dass es das auch hier in Moskau gibt. Das erste Mal abends allein weg. Habe mich über das Internet schon vorher dort mit dem ein und anderen verabredet. Und es hat funktioniert. Alle waren da und mit allen hatte ich einen wunderbaren Abend. Gleichgesinnte gefunden. Kommen aus Deutschland und arbeiten hier. Die einen schon länger, die anderen nicht. Jeder hat eine andere Geschichte wie er hierher gekommen ist. Spannend. Zusammen haben wir Bier getrunken und geredet bis zum Umfallen. Und dann war es Zeit zu gehen. Wir waren eh die letzten im Cafe. Und die letzte Metro fuhr in einigen Minuten. Danach wäre Schluss. Taxi nehmen oder bis zum Morgen weiter trinken wäre die Alternative gewesen. Wir machten uns auf den Weg.

Von der Metrostation zu mir lief ich den geschlängelten Weg unter den kahlen Bäumen entlang. Alles war ruhig. Nur meine Schuhe knartzten im Schnee. Ab und an fuhr ein Auto die Straße entlang, die etwa 60 Meter rechts neben mir verlief. Ich strahlte. Grinste. War glücklich. Habe Anschluss gefunden. Die Angst überwunden und das Eis gebrochen. Nun bin ich hier angekommen. Mach mir keine Gedanken mehr, wenn ich allein aus dem Haus gehe. Fühle mich mehr ein Stück zu Hause. Freu mich auf die vielen Abende, die noch auf mich zukommen werden.

Bin gerade einkaufen gewesen. Und auch die Sprachblockade ist verschwunden. Es waren keine Einkaufskörbe da. So musste ich fragen. Drei Mal, bis endlich jemand mir einen in die Hand gab. War gar nicht so schlimm.

Woher kommen diese Blockaden eigentlich? Wieso fällt die schwarze Klappe in meinem Kopf mit einem gewaltigen Krachen herunter, sobald mich nur einer auf Russisch anspricht? Warum kann ich nicht mehr denken und einfach antworten? Reagieren? Auf Englisch? Alle anderen kommen doch auch klar und können kein oder nur schlechtes Russisch. Stattdessen versinke ich im Erdboden und nehme um mich herum nichts mehr war. Aber das ist nun vorbei. Ein ganzes Jahr werde ich hier leben. Und ich will auch leben. Und nicht nur meine Zeit hier hinter mich bringen. Wäre doch viel zu schade.

Muskelkater (19.02.2006)

Gestern war Tag der offenen Tür in einem Fitnessclub. Gleich bei der Arbeit. Keine fünf Minuten. Micha hat ihn im Internet gefunden.

Ein kleiner Gang führte von der Eingangstür zum Tresen. Gleich vorn war die Garderobe, wo wir unsere Sachen ließen. Alles war ganz sauber und edel. Gemütlich und warm. Später erfuhren wir, dass sie gerade erst neu aufgemacht haben. Es waren schon einige Leute dort, die sich die Räume ansahen. Wir wurden begrüßt. Mit einem Lächeln. Fast schon privat. Wir waren begeistert.

Alles war klein und übersichtlich. Viele Leute können hier zeitgleich nicht trainieren. Wir gingen durch den Aerobicraum, in dem gerade ein Tanzkurs stattfand. Die kleine Treppe hinauf führte zum Fitnessraum. Alle Geräte waren noch ganz neu. Für alle Muskelpartien etwas dabei. Die Gewichte der Hanteln waren aus einem Kunststoff. Bisher kannte ich nur die Variante aus hartem Metall. Gleich an der Tür stand ein Wasserspender. Getränke mitnehmen braucht man hier also nicht.

Unten wurde uns die Sauna gezeigt. Sie hatte genug Platz für 20 Leute. Nur der Vorraum, der als Ruhraum genutzt wurde war für nicht mehr als fünf ausgerichtet. Hier gab es Kaffee und Tee. Ein kleiner Behälter war bis zur Hälfte mit irgendwelchen Blättern und etwas Wasser gefüllt. Ein Strohalm aus Holz ragte heraus und man war sich nicht einig, ob man daraus trinken sollte oder ob es zum Rauchen war. Letzteres schien mir durch das Wasser suspekt und so trank ich einen winzigen Schluck. Es schmeckte nach einem kalten Sud aus Blättern. War sicher gesund und so beließ ich es auch dabei.

In der Umkleidekabine wurden uns dann alle weiteren Informationen gegeben. Handtücher gab es kostenlos vor Ort. Auch der Umkleideschrank kostete nichts extra. Wasser, Kaffee und Tee war inklusive. Das Kursprogramm umfasste von Yoga bis asiatische Sportarten eine ganze Menge. Es war ein sehr kleines Unternehmen, in dem jeder jeden kennt. Familiär sollte es auch bleiben. Kein Gepose vor dem Spiegel oder völlige Anonymität. Das gefiel uns. Aber noch besser war der Preis. Aktionstage. Umgerechnet 49 Euro im Monat, sollten wir für ein komplettes Jahr abschließen. Wir entschieden uns direkt dafür. Füllten die Verträge aus und verabredeten uns noch für den gleichen Abend. Auch, um das restliche Geld zu bezahlen, da wir nicht so viel dabei hatten.

Am Abend wurden wir schon herzlichst empfangen. Wir waren die einzigen. Von 7-23 Uhr ist geöffnet. So verteilen sich die Mitglieder. Wir waren über eine Stunde zugange, tranken Wasser und schwitzten an den Geräten. Anschließend beim Saunieren gab es Champagner. Dieser wird wohl nicht immer hier stehen. War aber eine wunderbare Geste. Und so saßen wir hier wieder über eine Stunde. Waren glücklich und fühlten uns wohl.

Heute haben wir Muskelkater. Und das tut so gut. Wie lange habe ich kein Fitness mehr gemacht? Jahre. Das hat sich nun geändert. Zwei Mal die Woche ist der Anspruch. Und das ein ganzes Jahr lang. Da sollte man schon etwas sehen.

Erster Arbeitstag (21.02.2006)

Gestern Abend war ich ein wenig aufgeregt. Was wird der erste Tag bringen? Wie sind die Kollegen? Wo werde ich sitzen? An einem Computer auf dem Flur, in der Redaktion der Zeitung oder ganz woanders? Habe ich ein Telefon? Überhaupt einen Computer? Heute Morgen dann kam ich nicht aus dem Bett, war müde und träge. Ging duschen und zog mir ein frisches Hemd an. Nur 20 Minuten habe ich zu Fuß für den Weg zum Office gebraucht und als ich ankam war ich wach. Es war 10 Uhr. Wie mit meiner inhaltlichen Ansprechpartnerin Frau Martens verabredet.

Ich stiefelte in die oberste Etage und musste mir erst mal meine Jacken ausziehen, da mir durch das Treppensteigen sehr warm war. In der Redaktion saß ein Redakteur, so jung wie ich oder gar jünger. Sonst war alles finster. Also nahm ich mir eine Zeitung, setzte mich im Flur vor ihr Büro und begann zu lesen. Und las. Und las. Inzwischen war Leben in die Redaktion eingekehrt. Der Chefredakteur kam frisch aus seinem Urlaub zurück und von Zeit zu Zeit waren die Tische fast alle besetzt.

Ich erkundigte mich nach Frau Martens, ob sie überhaupt noch komme. Ja, sagte man mir, aber wohl erst später und man wisse nicht wann. 11 Uhr zog ich mich dann wieder an, ließ mir die Telefonnummer von ihr im Office geben, ließ ihr Grüße ausrichten und verschwand.

Würde man mich in Deutschland eine Stunde warten lassen, so wäre ich wahrscheinlich nie wieder dort arbeiten gegangen. Es kam in meinem Leben noch nie vor, ehrlich gesagt. Aber hier ist das alles ein wenig anders. Bisher habe ich auch noch nicht sehen können, dass es hier einen gewissen Zug oder Druck beim Arbeiten gibt. Hier macht jeder seine Sachen, dümpelt hier und da etwas herum und irgendwann geht mal wieder nach Hause. Und jeder der mich kennt, weiß, dass dies gar nicht meine Art ist. Umso spannender für mich, Geduld zu bewahren. Es hinzunehmen. Nicht leicht, aber es wird gehen.

Jetzt ist es nach 12 Uhr und ich werde zu Hause etwas arbeiten. Zu tun gibt es ja genug.

Eingeweiht (25.02.2006)

Mein Kopf tut mir nicht weh, aber er ist schwer wie Blei. Der ganze Körper fühlt sich ausgelaugt an. Die letzte Nacht war kurz. Sehr kurz. Aber alles was davor stattfand war großartig. Hervorragend. Einfach toll.

Wir haben zu einer kleinen Party geladen. Um mit den Leuten anzustoßen, die wir in der kurzen Zeit kennen gelernt haben. Um unsere Wohnung zu zeigen und sie gleich einzuweihen. Um zu gucken, wie sich eine Party hier anfühlt. Und es fühlt sich verdammt gut an. Diese Wohnung ist quasi für Partys geschaffen worden.

Im Wohnzimmer haben wir es angerichtet. Stühle aus allen Zimmern um den großen Tisch verteilt. Hier wird die Party stattfinden, dachten wir. Und da kamen auch schon die ersten. Machten es sich auf dem Sofa und der Couch bequem. Die nächsten zogen sich die Stühle vom Tisch mit ran. Und als der Kreis zu groß wurde, verlagerte sich plötzlich alles in die Küche. Und dort blieben wir bis zum Schluss. Die Musik wurde also rübergetragen und laut gestellt.

Wir hätten selbst drauf kommen können. Wer feiert schon eine Party sitzend an einem großen Tisch? Da ist es doch viel bequemer an der Arbeitsplatte zu lehnen und um den kleinen Küchentresen zu stehen. Außerdem war hier auch das Raucherzimmer, also das kleine Zimmer, welches wir zu dem ernannt haben. Der Kühlschrank ist ein Handgriff entfernt und somit auch die alkoholischen Getränke. Diese wurden in großen Mengen mitgebracht. Der Sekt wurde direkt in die Bowle gegossen und der Wodka mit Red Bull gemischt.

Es war ein rauschendes Fest. Mit viel Gelalle, aber auch durchaus intensiven Gesprächen. Der harte Kern verabschiedete sich morgens gegen vier Uhr. Die Wohnzimmercouch war bereits belegt und auch das Gästezimmer kurzfristig reserviert. So gingen sieben und blieben zwei. Ausgenommen uns natürlich.

Das war wohl erst der Anfang. Nachdem es sich hier so gut gefeiert hat, wird schon an Wiederholungen gedacht. Was heißt gedacht, geplant sind die ersten. Denn was will man mehr, als zum Schluss einfach nur direkt ins Bett fallen, ohne vorher noch den Taxifahrer begrüßen zu müssen.



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