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Zwischenwelt/Nebenweg (04.03.2006)

Bin ich verliebt? Oder auf dem Wege dahin? Versuch ich mich zu bremsen? Oder will ich es geschehen lassen? Bin ich unglücklich? Oder glücklich? Ich bin fast schwerelos. Schwebe. Liebe und belüge mich vielleicht auch selbst. Oder nicht?

Du ziehst mich an. Ich begehre dich. Nicht unbedingt deinen Körper. Dich. Dein Sein. Deine Art. Deine Natürlichkeit. Mit deinem Lachen vor meinen Augen fang ich an zu schwärmen. Steiger mich hinein. Oder lasse meinen Gefühlen einfach freien Lauf. Deine Augen schauen mich an. Lächeln. Strahlen Wärme aus. Sind so lebendig und voller Gefühl. Dein keckes Augenzwinkern raubt mir den Verstand. Ich kann kaum widerstehen und schaue weg. Lenke mich ab. Gebe nichts zurück. Außer Sprüche. Neckerein. Was sich neckt, das liebt sich. Aber trifft das auf uns zu? Versuche Fassung zu bewahren. Stark zu sein. Dich nicht zu sehr an mich heran zu lassen. Dabei bist du es schon längst. An mich dran. In mir drin. In meinem Herzen. Habe Spaß. Lebe. Blühe auf. Gebe mich dir hin, ohne es sichtbar zu machen. Sehne mich nach dir. Nach deiner Nähe. Nach Berührungen. Nach deinem Spiel mit mir. Kickst mich. Ziehst mich in deinem Bann. Nimmst mich mit und trägst mich fort. Alles nur Spiel?

Ich fühle mich bei dir sicher. Geborgen. Du kümmerst dich um mich. Vertrauen. Hingabe. Von meiner Seite. Von dir kommen Reaktionen. Kleine Häppchen. Köder. Oder auch nicht. Steiger ich mich in alles nur herein? Sind deine Gefühle mir gegenüber Einbildung? Oder bist du nur schüchtern? Verlegen? Ich liebe es, dich verlegen zu machen. Dich aufzuziehen und dir gleichzeitig zu zeigen, wie sehr ich dich mag. Erkennst du es? Deine Natürlichkeit fasziniert mich. Du bist einfach da. Du selbst.

Ich schwärme meiner Mutter vor, was für ein wundervoller Mann du bist. Wie sehr sie dich mögen wird. Dass sie dich unbedingt kennen lernen muss. Wie weit bin ich damit gegangen? Zu weit? Gibt es ein zu weit? Muss ich mich entscheiden? Für wen? Für mich? Für meinen Freund?

Du fragtest mich, ob wir zu viel zeit miteinander verbringen. Ja, sagt meine Vernunft. Nein mein Bauch. Mein Herz. Ich genieße dich. Sauge dich auf. Und versuche dabei immer, es mir nicht anmerken zu lassen. Werde kühl und ignorant. Aber warum? Zum Schutz? Aber vor wem? Suche nach Situationen, es anzusprechen. Mich dir zu offenbaren. Aber habe Angst. Vor deiner Reaktion und vor der meines Freundes.

Ganz nebenbei erzählst du mir, dass du den Typen neben dir total süß findest. Ein Stich in meinem Herzen. Sofort werde ich kalt in meiner Reaktion. Will mir das alles nicht nur einbilden. Aber mach es wahrscheinlich. Sage mir selbst, dass es nur eine Phase ist. Dass ich doch eigentlich total glücklich bin. Dass wir auf dem Weg sind, Freunde zu werden. Gute Freunde. Aber nicht mehr. Nicht mehr?

In meinen Gedanken liegst du neben mir im Bett. Ich kann dich riechen. Bin dir ganz nah. Schmiege mich an dich. Gleite mit der Hand über deine warme Haut. Ganz sanft. Küsse deine Lippen. Gebe mich dir hin, ohne an sexuellen Kontakt zudenken. Schlafe neben dir ein. Geborgen. Versunken. Verloren. Wie ein kleines Kind. Auf deiner Brust.

Was soll ich machen? Abwarten und schauen was mein Bauch mir sagt? Darüber reden? Mit dir? Mit meinem Freund? Oder mit mir nahen Menschen die dich nicht kennen? Soll ich mir Gedanken machen? Ob es mir wirklich ernst ist? Soll ich auf Abstand gehen, um mir über die Situation klar zu werden? Oder um dich aus meinem Bauch und Herzen zu drängen?

Würde mich so gern einfach nur fallen lassen. Mich gehen lassen. Es mit mir machen lassen. Aber diese Ungewissheit lässt es nicht zu. Ist es vielleicht einfach nur ein kleiner Abzweig, den ich mir nehme und der sich dann zu einer Sackgasse entpuppt? Muss man vorher immer wissen, was passieren wird? Kann man es nicht einfach auf sich zukommen lassen? Muss man alles gleich definieren? Muss man vernünftig sein? Was ist Vernunft in dieser Situation?

Ich schenke mir noch ein Glas Rotwein ein, zünde mir eine Zigarette an und versinke in der Musik.

Wochenende (05.03.2006)

Gestern hatte ich das erste Mal das Gefühl, es ist Wochenende. Habe ausgeschlafen, mir eine Tasse Kaffee gemacht, etwas am Rechner gesessen, Wäsche gewaschen, Musik gehört… Es war alles so entspannt. Die Sonne draußen wärmte den Boden und ließ den Schnee und das Eis schmelzen. Gegen 15 Uhr bin ich dann mit Freunden in ein mir unbekanntes Cafe gegangen. Fast um die Ecke. Von außen kaum erkennbar. Aber mit großen Schaufensterscheiben, also Tageslicht. Denn hier in Moskau findet man mehr Keller-Cafes und -Kneipen. Es gab Cafe Latte und ein Sandwich mit Schinken und Käse. Dazu eine Zigarette. Großartig. Alles so relaxt. Die Woche war schon anstrengend. Es waren sechs Tage hintereinander und es passiert immer noch so viel neues, dass ich ab und an Zeit brauche, alle Eindrücke und Erlebnisse zu verarbeiten. Und die habe ich jetzt. Wochenende.

Danach sind wir noch Spazieren gegangen. Der kleine See war komplett zugefroren und eine Frau um die 50 fuhr mit ihren Skiern große Runden. An den Bronzeenten vorbei haben wir uns einen Friedhof angesehen, auf dem sehr viele berühmte Menschen begraben wurden. Tschaikowski, die Frau von Gorbatschow… Und da es dann doch etwas kalt wurde, gingen wir zurück ins Cafe und tranken Bier. Und noch eins. Und wieder eins. Bis wir die letzten waren. Die Musik wurde abgestellt, das Licht ausgemacht. So saßen wir ungemütlich im Dunkeln und kippten unser Bier hinunter.

Der Abend war zu schön, um ihn zu beenden. Also kauften wir uns was zu essen und gingen zu mir nach Hause. Tranken noch ein Bier, aßen Pelmini und waren dann doch so müde und betrunken, dass wir alle direkt ins Bett fielen.

Inzwischen sind wir alle geduscht, der Morgen hat begonnen. Und gleich gibt’s ein kleines Frühstück. Der Kaffee ist schon fertig…

Im Sog deines Seins (10.03.2006)

Als ich dich das erste Mal sah, war ich geplättet. Beeindruckt von allem. Sog dich in mir auf und konnte erst viel später realisieren, was mit mir geschah. Und auch heute noch faszinierst du mich jeden Tag neu. Zeigst mir immer wieder andere Seiten an dir. Präsentierst dich voller Stolz und bist doch so gelassen dabei. Hälst eine Struktur aufrecht und zerfällst selbst darin. Ich liebe dein Bild. Schau dich immer wieder an. Entdecke auch die Risse, die verlebten Stellen und den Schmutz. Und doch pflegst du dich. Tag für Tag. Kehrst deinen Boden und wäschst dein Gesicht. Markant und eckig auf der einen Seite, jung und tausendschön auf der anderen. Bist wie eine Eierschale, die nach außen robust und massiv, fest und aufrecht scheint. Baust Häuser, die voller Kraft und Stärke protzen. Innen aber bist du ganz zart, fast zerbrechlich. Ein kleines Küken, welches unbeholfen und schüchtern seinen Weg nach draußen sucht. „Haltung bewahren“ steht auf dem kleinen Schild oben rechts am Eingang. Deine Gegensätze ziehen mich an. Dein modernes, glattes und nobles Wesen und zugleich dein abgestandener Untergrund. Deine Schnelllebigkeit und Hektik und dein zielloses Herumwandeln, ohne Konzept und Struktur. Dein Leben voller Musik, Gefühl und Rhythmus und deine wahnsinnige Trägheit und Abneigung mir gegenüber. Ich kann neben dir aufwachen und du reichst mir den Kaffee. Oder du bist schlecht gelaunt und deine Blicke würden mich am liebsten töten, wenn sie es könnten. Lässt mich in Ruhe, wenn es mir schlecht geht. Stellst mir deine Größe und Vielfältigkeit zur Verfügung. Und lässt mich manchmal einsam zu Hause sitzen. Bei dir fühle ich mich geborgen. Du nimmst mich mit auf eine Reise. Lehrst mich und lässt mich leben. Deine strenge Erziehung tut mir gut, auch wenn ich oft an ihr zu zerbrechen drohe und mit wunden Knien herumlaufe. Streckst mir deinen Finger aus, aber die Hand bleibt bei dir. Fütterst mich an, aber ernähren muss ich mich allein. Und wenn mir das alles zu viel wird, dann lässt du mich ziehen. Bist nicht an einer festen Bindung interessiert. Du bist einfach unbeschreiblich. Beherbergst in dir das pulsierende Leben und zugleich die öde Langeweile. Bist die Macht schlechthin, aber auch ein Armutszeugnis. Du bist rau und sehr agressiv. Aber nur oberflächlich. Dein Herz ist voller Wärme und Liebe, nur gibst du diese kaum preis. Vielleicht ist das der Grund, warum ich mich für dich entschieden habe. Die Herausforderung dich wirklich kennenzulernen. Vielleicht stellst du mir aber auch nur einen großen Spiegel vor die Nase und ich blicke nicht dich, sondern mich an. Sehe meine Grenzen und lehre mir selbst, sie zu überwinden.

Erste Krise (10.03.2006)

Gott hab ich gesoffen. Erstaunlich, dass ich heute morgen in meinem Bett aufgewacht bin. Und das mitten in der Woche. Donnerstag abend. Aus einem geplanten geschäftlichen Treffen wurde mal wieder eine große Runde mit viel Bier und guter Stimmung. Die Folgen spüre ich erst jetzt. Sitze in meinem Büro und in meinem Schädel führen 100 Indianer einen Trommelwettbewerb durch. Aber man lebt ja nur ein Mal.

Die erste Krise ist überwunden. Kulturschock? Weiß nicht. War orientierungslos. Hatte keine wirklichen Aufgaben bei der Arbeit. Dümpelte so vor mich hin, schrieb irgendwelche Konzepte, brachte tausend Ideen zu Papier, traf mich mit Leuten anderer Organisationen, ohne zu wissen, ob das überhaupt der richtige Weg ist. Vor allem habe ich absolut keine Ahnung von dieser Thematik und werde nach diesem Jahr wohl auch nie wieder damit zu tun haben. So habe ich nur gelächelt und ab und an dumme Fragen gestellt. Bekam keine Kritik, keinen Zuspruch. Saß allein da und schwamm in einem riesigen Ozean umher. Auf der Suche nach einer Insel, einem Halt. Und das schlimmste war, dass ich alles genau mitbekommen habe. Dass ich wusste, was gerade passiert und wie ich da wieder rauskommen kann. Habe es aber nicht geschafft. Und so breitete sich das Loch aus und fraß sich auch ins Privatleben. Brauchte eine Hand von außen, die mich aus diesem Sog zieht. Sendete Hilferufe, die aber niemand verstand.

Nach der Explosion konnte ich nun alles wieder sortieren. Und siehe da, auch das Umfeld sortierte sich um mich herum. Es kamen konkrete Aufgaben und viele Gespräche. Bin also wieder motiviert. Habe einen Plan im Kopf und realisiere ihn. Stück für Stück. Ohne meine Ziele hoch anzusetzen. Das habe ich daraus gelernt. Hier läuft es eben alles anders.

Frühling (19.03.2006)

Die Balkontür steht offen und die Sonne strahlt ins Wohnzimmer. Im Schlafanzug wusle ich umher. Es wird Frühling. Die Temperaturen steigen auf knapp 7 °C. Also Jacke an und raus. Eine Mütze? Braucht man heute nicht.

Das erste mal höre ich Vögel in Moskau. Spatzen und kleine Blaumeisen hüpfen in den Ästen und auf dem Boden herum. In den aufgestellten Vogelhäuschen liegen Körner für sie bereit. Noch können sie allein nichts finden, denn der Schnee liegt noch sehr hoch. Ein Mann um die 40 baut mit einer Buddelschippe aus Schnee eine Burg. Mitten auf dem zugefrorenen See. Auf den Bänken sitzen Leute und schauen in die Sonne oder ihm zu. Hinter ihnen liegt die ganze Stadt. Eine gigantische Skyline, in warmes Licht getaucht. Herrlich. Wie geht’s uns doch gut. Ein kleines Mädchen kommt auf Skiern entgegen. Ich weiche aus, trete neben den Trampelpfad in den unberührten Schnee und versinke bis zu den Knien. Whow.

Oben angekommen steh ich am Abhang und schaue den Snowboadern zu. Wie elegant sie ihre Schleifen ziehen, als wäre es kinderleicht. Und dabei rasen sie mit einer enormen Geschwindigkeit hinunter. Ab und an kreuzt ihnen ein Skifahrer. 100 Meter weiter kaufe ich mir eine gebackene Kartoffel. Mit Käse, Zwiebeln, Krabben- und Pilzsalat. Lecker. Dazu einen Orangensaft. Gegessen wird draußen. An einem der zwei Tische. In der Sonne.

Die Straße hinunter. Grau und trocken. Rechts und links stehen riesige Villen hinter den hohen Betonmauern. An jeder Ecke sind Kameras befestigt. Schutz, wo es nur geht. Von oben tropft der schmelzende Schnee herunter. Meine Schuhe sind halb nass. Egal.

Auf der Stadtringbrücke erhasche ich noch einen letzten Blick auf die Moskwa mit der riesigen Universität im Hintergrund. Dann geht’s weiter nach Hause. Es ist kurz vor Sechs. Die Sonne scheint noch immer. Die Tage werden spürbar länger. Jetzt fehlt nur noch das Grün auf den Bäumen.

Krankenhaus (26.03.2006)

Hätte ich mein Gedächtnis verloren und würde gerade aufwachen, wäre es mal wieder ein toller Tag. Die Sonne scheint und mir geht’s gut. Doch auf dem Tisch liegen unzählige Schachteln mit Tabletten. Und die Erinnerung ist da.

Angefangen hat es schon am Freitag bei der Arbeit. Ein leichter Schmerz in der Leistengegend. „Blasenentzündung“ kam mir sofort in den Kopf, da auch beim Pinkeln ein leichtes Brennen zu spüren war. Abends zu Hause weiß ich nur noch, dass ich total müde war und nur einen ganz kleinen Teller aß. Und dann der Morgen. Mit war schlecht, ich hatte Durchfall, die Schmerzen wurden stärker. Alles kam zusammen. Ich rannte alle 10 Minuten zur Toilette. Trank etwas, und brachte es sogleich wieder raus. Die Wärmflasche entpuppte sich als Fehler. Es wurde immer schlimmer.

Micha war am Telefonieren. Mit Ärzten und Freunden. Holte Rat im Internet und kümmerte sich um mich. Und ich lag einfach nur da, oder lief blass und gekrümmt herum. Die Schmerzen wurden so stark, dass ich anfing zu stöhnen. Ich schrie. Es war unerträglich. Der Gedanke, mich vom Balkon zu stürzen breitete sich aus. Da ließ ich den Notarzt kommen. Dieser kam fast eine Stunde später als angesagt. Und in einer solchen Situation ist eine Stunde eine wirkliche Ewigkeit. Aber er war da. Tastete mich ab und gab mir die beiden Spritzen, die mich wieder aufatmen ließen. Micha hatte bereits alle Sachen gepackt und so ging es mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus. Ein europäisches. Mit hohem Standart. Ich fühlte mich sehr sicher. Micha hatte sich im Internet informiert und dieses Haus herausgesucht. Danke!

Da lag ich auf dem Krankenbett, Micha neben mir und über den Schlauch an meinem Arm wurden mir 2,5 Liter Flüssigkeit eingeflößt. Ich war total entspannt. Die Spritzen wirkten Wunder. Und die Augen fielen mir immer wieder zu. Erschöpft ging es dann zum Ultraschall und zum Röntgen. Alle waren nett, sprachen Englisch oder sogar Deutsch. Micha übersetze alle Fragen.

Nierensteine waren die Ursache. Zwei oder drei hat Micha auf den Bildern bei den Untersuchungen sehen können. So bekam ich einen Haufen Tabletten verschrieben und durfte nach etwa 5 Stunden wieder nach Hause. Knapp 1000 Euro hat der Spaß gekostet. Da hat sich die Krankenversicherung gelohnt und bereits ausgezahlt.

Zu Hause habe ich mir die Augen aufgehalten. Bin immer wieder kurz eingeschlafen, wollte es aber nicht. Sonst wäre ich mitten in der Nacht wach geworden. So haben wir die russischen Superstars geguckt. Das ist vielleicht komisch. Der Standard ist ein ganz anderer. Nichts mit Glamour oder Hochglanz. Aber trotzdem interessant. Jedenfalls bin ich dann doch irgendwann ins Bett und sofort eingeschlafen. Und heute Morgen war alles gut. Die Müdigkeit und die Schmerzen weg. Nur die Tabletten fühle ich. Wie mit Drogen vollgepumpt. Wieder eine Erfahrung mehr.



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