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Motivation (04.10.2006)

Dieses Auf und Ab strengt mich an. Warum nur? Bis heute Morgen war meine Schwester da. Ein guter Grund, sich mal einen Tag frei zu nehmen. Und diesen haben wir dann auch super genutzt. Trotz leichtem Regen und bewölktem Himmel ging es in den Zoo. Und der übertraf meinen Erwartungen. Ein richtig schöner, kleiner Stadtzoo. In welche Richtung man auch schaut, man sieht die Häuser der Stadt. Herrlich. Und man hat sich auch mit den Ställen und Tierhäusern Mühe gegeben. Schön dekoriert und auch nicht wirklich ungemütlich. Es ist eben ein kleiner Zoo. Dafür kommen z.B. die Pferde auch mal raus und dürfen per Galopp ihre überschüssige Energie abbauen.

Aber nun sitze ich schon wieder im Büro und arbeite so vor mich hin. Morgen geht es los. Die deutschen Teilnehmer des Fotostudentenaustausches kommen an. Abends dann ein kleines gemütliches Treffen in der 36. Etage vom Swissotel Moskau. Klingt gut? Ist ja eigentlich auch. Aber ich muss noch nen bisschen was dafür tun. Neben mir rödelt der Drucker mit den Ausdrucken der Pressemappe. Monoton. Immer wiederholende Geräusche. Ach wie gern würde ich jetzt auch solch eine Arbeit machen. Stempeln. Oder bei McDonalds Burger zubereiten. Ohne nachdenken zu müssen. Einfach nur Schaffen.

Heute Abend ist wieder eine Filmvorführung bei uns im Haus. Ich werde die ersten 10 Minuten bleiben und dann nach Hause gehen. Denn morgen früh fliegt Micha nach Berlin. Mal wieder geschäftlich. Einerseits ganz gut, da ich mit dem Fotoprojekt ausgelastet bin. Andererseits schlecht, da ich niemanden habe, den ich erzählen kann, was alles schief gelaufen ist oder wie toll es war. Aber am Montag Abend ist er wieder da, wenn am letzten Tag die Preisverleihung ist. Irgendeiner muss ich das doch auch mal ansehen, was ich monatelang mache, oder?

Viel los (17.10.2006)

Die Koffer sind gepackt. Ich bin startbereit. In gut einer Stunde holt mich der Fahrer ab. Es geht nach Lettland. Ein neuer Workshop. Diesmal fast ohne Vorbereitung, denn diesmal soll alles gemeinsam erarbeitet werden. Ich stehe also nicht vorn und bringe den Studenten etwas bei. Wir konzipieren und erstellen gemeinsam einen Pdcast. Einen Adventskalender-Pdcast. „Weihnachten im Baltikum“. Ab dem 1. Dezember gibt es jeden Tag ein Türchen mit einem Brauch, einem Lied, Rezept oder was auch immer aus Lettland, Littauen und Estland. Bin selbst sehr gespannt, welche Traditionen die einzelnen Studenten aus den verschiedenen Ländern pflegen. Ein straffes Programm wird es auf jeden Fall. 24 Episoden müssen erarbeitet und aufgenommen werden. Aber ich freu mich darauf.

Und kaum komme ich am nächsten Sonntag wieder in Moskau an, geht es Montag direkt weiter nach Afrika. Urlaub. Endlich. 14 Tage Erholung. Swimmingpool, Sonne, Savanne und Tiere.

Seit Freitag geht es mir wieder viel besser. Ich muss vier Wochen lang nicht ins Büro. Eine wirkliche Erleichterung. Keine Verantwortung, keine Veranstaltungen abends. Einfach nichts. Toll. Das war auch ganz gut, denn gerade waren Katja und Ulrike zu Besuch. Und wir haben tolle Sachen erlebt. Mal wieder ins Bolschoi Theater – eine grauenhafte Inszenierung. Und wir waren in Sergejev Possad. Ein Ort außerhalb Moskaus. Der „orthodoxe Vatikan“. Es war herrlich. Ich hatte das Gefühl, endlich wieder in Russland zu sein. Keine Großstadt, keine verbitterten Gesichter. Nur die Kälte war wahnsinnig. Hier ist nämlich bereits der Winter ausgebrochen. Fehlt nur noch der Schnee.

Das Fotoprojekt lief sehr gut. Mit kleinen Kinderkrankheiten zwar, aber es war ein Erfolg. Ich denke alle sind glücklich und es wird nächstes Jahr ein Folgeprojekt geben. Vorher aber gibt es Ende Januar im Swissotel Moskau eine Ausstellung mit allen Fotos. Dies wird dann meine letzte Veranstaltung hier in Moskau sein. Sozusagen mein Abschied. Und darauf freue ich mich sehr. Alle Partner und Freunde noch einmal zu sehen. Eine Auswahl der Bilder gibt es in der Galerie zu sehen.

So, jetzt muss ich mich langsam aufmachen.

Baltikum (20.10.2006)

Ich bin so was von glücklich. Mir geht es gerade wieder so richtig gut. Raus aus Moskau. Weg von der eigentlichen Arbeit. Rein ins Baltikum. Endlich wieder in Europa. Freundlichen Menschen begegnen. Saubere Luft atmen. Spaß bei der Arbeit haben. Herrlich. Ich blühe wieder auf. Meine Emotionen entfalten sich und ich könnte oft heulen vor Freude.

Ich sitze gerade im Hotel. In Lettland. In der wunderschönen, idyllischen Stadt Liepaja. 75.000 Einwohner nur. Kleine Straßen. Viele Bäume. Und vor der Tür fährt die einzige Straßenbahnlinie der Stadt entlang. 15 Minuten sind es nur zum Meer. Morgen werde ich zum Wasser gehen. Hoffentlich spielt das Wetter mit. Gerade nieselt es ein wenig. Aber es ist wesentlich wärmer als in Moskau. Und dieses heimische Gefühl macht irgendwie den Regen weg. Ich fühle mich einfach nur wohl.

12 Teilnehmer sind es diesmal. Und alle kenne ich bereits aus dem Sommersprachlager in Litauen. Ein Wiedersehen also. Ein noch-mehr-kennenlernen. Das Thema heißt „Weihnachten im Baltikum – Adventskalender“. Gerade eben haben wir diesen Namen gefunden. Und die Gruppe heißt ab heute „Baltikum spricht“. Ein ungewöhnlicher Name, aber passend.

Statt in vier Tagen, haben wir alles in 2,5 geschafft. Ich bin mächtig stolz. Und gerade haben wir uns das Ergebnis angehört. 24 Audio-Episoden als Türchen eines Adventskalenders. 24 Bräuche, Traditionen, Lieder, Rezepte und Geschichten aus Litauen, Lettland und Estland. Inzwischen bin ich Profi geworden, was die Feiertage im Baltikum angeht. Alles haben wir nur mit dem Laptop und einem Headset aufgenommen. Und den Inhalt haben sich die Teilnehmer komplett selbst erarbeitet. Haben im Internet recherchiert und alles aufgeschrieben. Auf Deutsch. Also alles in einer Fremdsprache. Und das Ergebnis ist wirklich hörenswert. Oft sind es lustige Episoden. Warum z.B. rennen die Letten zu Weihnachten drei Mal um ihr Haus? Warum stellen die Kinder aus Estland ihre Schuhe in der Vorweihnachtszeit ans Fenster? Wie klingen die Weihnachtslieder in Litauen? Ab dem 1. Dezember gibt es dann jeden Tag ein Türchen im Internet. Und ich hoffe, dass ich die Werbetrommel ordentlich rühren kann, dass sich auch ein paar Hörer finden werden. Denn nächstes Jahr möchte ich wiederkommen. Dann vielleicht nach Estland. Ein neuen Workshop machen. Vielleicht sogar in einem richtigen Studio mit ordentliche Technik. Vielleicht finde ich ja auch ein Radiosender, mit dem man zusammenarbeiten kann.

Es macht verdammt viel Spaß mit den Teilnehmern zu arbeiten. Und sie sind so wahnsinnig brav. Ich an ihrer Stelle würde mich Abends heimlich aus dem Hotel schleichen und die Stadt bei Nacht erkunden. Würde während des Workshops dazwischen Reden oder was auch immer. Aber irgendwie haben sie alle eine gute Erziehung genossen.

Gleich gibt es Mittag. Dann entwickeln wir alle neue Konzepte für Workshops 2007. Am Abend gibt die deutsche Schule hier eine Modenschau und morgen schauen wir uns dann endlich die Stadt an. Das Rahmenprogramm ist also auch toll. Gestern waren wir alle Bowling spielen, den tag davor haben wir uns ein deutsches Theaterstück angesehen und auch Kino steht noch auf dem Plan. Aber erst mal was Essen.

Glück (21.10.2006)

Es kribbelt im ganzen Körper. Nur einen Moment lang. Wenige Sekunden. Von den Zehen bis hoch unter die Augen. Den Tränen nahe. Als würde alles vibrieren. Und es fühlt sich ganz warm an. Es ist, als würde sich der ganze Körper zusammenziehen. In sich hineinkriechen. Das ist für mich Glück. Und dieses Gefühl hatte ich heute zwei Mal. Als hätte ich mein Herz verloren. Nur an wen? Oder an was? Ist es diese Stadt? Oder sind es die Teilnehmer? Vielleicht auch die ganze Atmosphäre? Ich weiß es nicht. Aber ich fühle mich hier unheimlich wohl. Integriert.

Anastasija ist die jüngste. Sie ist 14. Aber man merkt es ihr nicht an. Sie kam heute zu mir und brachte mir russische Vokabeln bei. Sie war ganz stolz darauf. Und ich irgendwie auch. Ich fühle mich als einer von ihnen. Akzeptiert. Sie geben mir das Gefühl, mich zu mögen. Aber mich nicht ihr „Aufpasser“ zu sein. Das ist etwas wunderschönes. Und so durfte ich gestern Abend auch feststellen, dass sie eigentlich gar nicht so ordentlich und brav sind, wie sie sich geben. Wir waren im Rockcafe, auf das die Liepaja wohl sehr stolz sind. Und dort gab es auch den einen oder anderen Alkohol. Aber alles Maßen. Jedenfalls habe ich mir die Fotos auf der Kamera von Stass, einem der Teilnehmer, angesehen. Und was war dort zu sehen? Wie sie auf einem der Zimmer alle schön zusammen Martini mit Sprite trinken. Na bitte! Das wollte ich sehen. Es wäre doch unnormal, wenn sie auf einer solchen Fahrt nicht auch mal Party machen.

Gleich gibt es wieder Abendessen. Dann muss ich unbedingt noch zum Meer. Nun war ich schon fast fünf Tage hier und habe noch nicht ein Mal das Meer gesehen. Obwohl es nur zehn Minuten zu Fuß vom Hotel entfernt ist. Und dann sollte ich auch schon langsam ins Bett gehen, denn morgen muss ich schon 5 Uhr aufstehen. 30 Minuten zum Bahnhof laufen, da ich nicht weiß, ob am Sonntag um diese Uhrzeit eine Straßenbahn fährt. 06.05 Uhr fährt der Bus oder der Zug nach Riga. Dann noch 3,5 Stunden Fahrt und von Riga mit einem Bus zum Flughafen. Ich will gar nicht daran denken. Würde so gern hier bleiben.

Heute waren wir im deutschen Haus. Und ich habe mitbekommen, dass die deutsche Kulturarbeit so gut wie gar nicht funktioniert. Ihnen fehlt eine Person, die das ganze in die Hand nimmt. Die zu den vielen deutschen Firmen und Organisationen geht, um ein Netzwerk für die Kulturarbeit aufzubauen. Sofort bin ich im Thema und mein Kopf rattert. Tausend Ideen brodeln in mir vor sich hin. Ein Jahr in Lettland?



Ohje. Jetzt wandelt sich das Glück um in Trauer. Das letzte Mal saßen wir zusammen am Tisch und haben gegessen. Morgen ist alles vorbei. Aber: als ich sagte, dass ich noch zum Meer gehen möchte, haben alle sofort gesagt, dass sie mitkommen. Wie toll ist das denn? Kein einziger bleibt im Hotel oder will woanders hin. Ich freu mich riesig darüber. Wir werden uns auf dem Weg ein paar Chips und was zu trinken kaufen und eine kleine Party am Strand feiern. So zögere ich den Abschied etwas weiter raus.

Und dann meinte Rassa, die für diese Workshops und Projekte verantwortlich ist, dass sie morgen die Teilnehmer fragen möchte, welches Thema sie nächstes Jahr als Podcast aufnehmen wollen. Das heißt also, es wird ein Nachfolgeprojekt geben. Ich komme zurück ins Baltikum. Diesmal sogar bezahlt. Und mit den gleichen Leuten. Super. Hat sich also mal wieder gelohnt.

Aus meinem Laptop erklingen gerade melancholische Lieder. Vom Fenster kommen die Geräusche der Straße herein. Die Zigarette brennt im Aschenbecher… Warum kann man solche Momente, solche Gefühle nicht einfach einfrieren. Und immer mal wieder auftauen und erneut erleben. Warum müssen Erinnerungen mit der Zeit immer mehr verblassen? Warum kann ich die Leute nicht einfach alle mit nach Hause nehmen? Nach Moskau. Oder nach Deutschland. Aber vielleicht ist es auch besser so. Dann freu ich mich umso mehr, wenn wir uns alle nächstes Jahr wiedersehen.

Melancholie kann so wahnsinnig bittersüß sein. Dazu eine Träne im Auge und das Glück im Herzen. „Wir fliegen… Merkst du das? Über mir, da seh ich den Himmel. Und unter mir da dreht sich die Erde. Und ich bin mittendrin.“

Überraschung (22.10.2006)

Na das mit dem Meer hat dann doch nicht geklappt. Denn auf dem kurzen Weg dorthin ist Ieva mit dem Fuß umgeknickt. Sie konnte nicht mal mehr laufen. Also nahmen wir Jungs sie abwechselnd Huckepack und trugen sie ins Hotel zurück. Glücklicher Weise waren im Hotel gerade zwei Sportmannschaften, die auch einen Arzt dabei hatten. So saßen wir alle vor Ievas Hotelzimmertür und warteten, bis der Arzt herauskam. Es ist Gott-sei-Dank nichts ernstes passiert. Eine Zerrung. Sie hat zwei Spritzen gegen die Schmerzen bekommen und liegt nun mit einem Verband im Bett. Das war’s dann mit dem Meer.

Ich ging runter in mein Zimmer und schaute mir die zweite Hälfte von Stefan Raab’s Show an, die ich mir über das Internet aufgenommen hatte. Und wie ich so kurz vor dem Einschlafen im Bett lag, klopfte es an der Tür. Stass stand davor und wurde von Ieva geschickt. Sie wollte sich richtig von mir verabschieden. Da ich keine Lust hatte, mich wieder anzuziehen, ging ich einfach in Schlafklamotten hoch. Sie lag im Bett und streckte mir ihre Arme entgegen, als ich hereinkam. Total süß. Dann unterhielten wir uns noch ein bisschen über meine Vergangenheit und ihre Zukunft und ich ging wieder in mein eigenes Bett.

Heute 5 Uhr klingelte dann mein Handy. Phu. Ab in die Dusche, alle Klamotten in den Koffer und los. Ich schloss die Zimmertür hinter mir zu und ging den Flug zum Fahrstuhl entlang. Auf halber Strecke hing von der Decke ein Zettel. Ich schaute flüchtig rauf und erkannte „Felix“. Nahm den Zettel und steckte ihn beim gehen in die Tasche. Ich musste mich beeilen und wollte in Ruhe gucken, was da stand. Und wie ich vor dem Fahrstuhl stand und wartete kamen Janis und drei Mädels um die Ecke. Ich war so baff, dass ich gar nicht reagieren konnte. Sie wollte sich von mir verabschieden, weil es ihnen so viel Spaß gemacht hat. Wow! Sie stehen wegen mir um 5 Uhr auf und lauern hinter der Ecke auf mich. Ich bin beeindruckt. Schnell drück ich alle, sage Danke und verschwinde im Fahrstuhl. Denn beinahe hätte ich meine Straßenbahn zum Bahnhof verpasst. Und erst in der Bahn realisierte ich das Ganze. Las den Zettel und fing fast an zu heulen. So wie es aussieht, werde ich tatsächlich nächstes Jahr ins Sommerlage nach Estland fahren. Alle wünschen es sich und wollen mit Rassa reden, die das Ganze organisiert.

Und nun sitze ich hier völlig übermüdet am Flughafen. Vor mir laden sie gerade tausend kleine Pakete in ein Flugzeug ein. Hinter mir die Flughafenstimme, die andauernd irgendwelche Flüge auf lettisch durchsagt. Neben mir eine Cola und ein leerer Joghurtbecher. Mein kleines Frühstück.

Micha hat mir gerade eine SMS geschrieben, dass ihm ein Stein vom Herzen fällt. Hätte ich dieses Flugzeug nämlich aus welchen Gründen auch immer verpasst, so wäre es sehr eng geworden. Denn kaum komme ich heute Abend in Moskau an, muss ich alle meine Sommerklamotten einpacken, schlafen gehen und morgen früh wieder los. Afrika. 14 Tage Urlaub. Endlich. Ich hoffe nur, dass es mit dem Umschalten in meinem Kopf funktioniert.

Reise nach Afrika (25.10.2006)

Es ist 8.50 Uhr. Ich konnte nicht mehr schlafen, also bin ich aufgestanden. Wollte raus in den Garten. Mich an den Swimmingpool setzen und meine Eindrücke aufschreiben. Vor unserer Zimmertür lag ein Zettel von Albi, unserem Gastgeber. „Heute Morgen wurde bereits 6.45 Uhr die 30°C-Marke überschritten.“ Für ihn ist es zu heiß. Für mich beginnt so der Sommerurlaub.

Am Montag sind wir 10.34 Uhr aufgebrochen. Mit unserem Gepäck durch die überfüllten Metrostationen zum Expresszug, der uns 40 Minuten später zum Flughafen brachte. Gegen 14 Uhr sind wir dann ins Flugzeug gestiegen. Alle Plätze waren ausgebucht. Leider haben wir nur noch zwei Plätze in der Mitte zwischen den beiden Gängen bekommen. Aber dank des umfangreichen Unterhaltungsprogramms vergingen die zehn Stunden Flug erstaunlich schnell. Jeder hatte seinen eigenen Monitor und eine Fernbedienung. Es gab diverse Spielfilme und Dokumentationen zur Auswahl. Zwei Filme habe ich geschafft, und dazwischen mein Glück bei „Wer wird Millionär“ herausgefordert. Die Fernbedienung diente dabei als Tastatur. Aber ich kam leider nur bis zu 32.000 €. Auch gab es die Bilder von zwei Kameras. Die Sicht des Piloten und die Sicht direkt nach unten. Das war für ganz spannend, da wir ja kein Fenster hatten. Am Dienstagmorgen sind wir dann in Johannesburg gelandet. Da unser Bus nach Botswana erst fünf Stunden später abfuhr, setzten wir uns in eines der Restaurants im Flughafengebäude. In die Stadt trauten wir uns nicht. Zu viele Geschichten warnten uns vor den Gefahren.

Der erste Kontakt mit den Einheimischen überraschte mich sehr. Sie alle hatten ein Lächeln auf den Lippen. Sie waren freundlich und scheinen das Leben zu lieben. Herrlich. Mir fiel es besonders auf, da es in Moskau genau das Gegenteil ist.

Irgendwann fuhren wir dann mit dem Taxi zum Busbahnhof. Und von dort mit dem Reisebus sechs Stunden nach Botswana. Die Sitze im Bus waren bequemer als die im Flugzeug. Mit uns saßen noch zwei andere Weiße im Bus, die restlichen waren Schwarze. Und genauso freundlich wie am Flughafen. Irre. Die erstaunten Blicke über unsere Hautfarbe blieben aus. Ich fühlte mich erstaunlich wohl.

Das, was wir von Johannesburg gesehen haben, erinnert mich an die Kanaren. Teilweise stelle ich mir so auch Amerika vor. Aber Afrika sieht für mich anders aus. Erst auf halber Strecke mit dem Bus durch Südafrika gab es die typischen Bilder zu sehen. Afrikanische Dörfer. Straßen aus rotem Stein und Sand. Kleine Hütten aus Stein oder teilweise sogar aus Blech. Und davor im Schatten die Dorfbewohner, die vor sich hindösten. Wahnsinn. Und drum herum Steppe. Die kleinen Bäume und Büsche bildeten das Grün im Gelb und Rot, welches hier die Farben der Natur sind.

Zwischen ein paar kleinen Nickerchen hielt ich nach Tieren Ausschau. Und siehe da, ich wurde fündig. Am Straßenrand stand auf einmal ein kleines Warzenschwein mit großen Stoßzähnen. An einer Raststätte gab es noch Strauße, Hühner, einen Pfau und einen Hasen. Während der Fahrt sah ich zwischen dem Gestrüpp dann sogar ein Streifengnu. 20.30 Uhr waren wir dann endlich am Ziel. Im Garten liefen abends noch drei Riesenschaben entlang und gerade eben erblickte ich eine winzig kleine graue Echse. Willkommen in Afrika.

Urlaub (28.10.2006)

Moskau ist glücklicher Weise ganz weit weg. Und die Arbeit sowieso. Urlaub. Überall. Herrlich. Und das in Afrika. Ab und an muss ich mich daran erinnern, dass ich in Afrika bin. Auf einem anderen Kontinent. In einer komplett anderen Kultur. Habe mich schon sehr daran gewöhnt. Die Schwarzen sind keine Bedrohung mehr für mich, sondern wunderbare Menschen. Ich glaube auch, dass ich sie mehr anstarre als sie mich. Sie sind alle so schön. Ich bin derjenige, der sie gern anfassen würde. Der gern Körperkontakt hätte. Schon komisch.

Die Temperaturen sind immer noch um die 30°C und so geht es jeden Tag mindestens ein Mal in den Pool. Aber wir sind nicht nur auf dem Grundstück innerhalb der Mauern. Gestern waren wir im Museum und haben uns die Geschichte von Botswana angesehen. Sind die eine große Einkaufsmeile entlanggelaufen und haben das ein oder andere Mitbringsel gekauft. Heute waren wir mit unseren Gastgebern Martin und Yvonne shoppen. Und wir wurden natürlich auch fündig. Viele Sachen für unsere Wohnung in Berlin. Und wir waren gestern bei einer Party, die der örtliche Radiosender gab. 12 Euro Eintritt. Das ist sehr viel für die Bewohner und so traf sich die „obere Schicht“. Da ich die Leute nicht kenne, habe ich davon natürlich nichts mitbekommen. Die Party fand auf einem Golfplatz statt. Super nobel. Hätte auch in Europa sein können. Die Musik war leider auch europäisch und somit nicht wirklich spannend. Aber es ist schon ein tolles Gefühl unter den Schwarzen zu sein und zu tanzen. Freunde von Martin und Yvonne weihten uns zudem in die Kulturen ein. Warum machen die schwarzen Frauen die weißen Männer an? Gibt es in Botswana Treue? Manche Dinge sind teilweise sehr erschütternd. Es ist eben eine komplett andere Kultur als in Europa oder Russland. Aber eine faszinierende.

Heute Abend gehen wir in einen Pub. Dort gibt es afrikanische Musik. Und ich freu mich riesig drauf. Die Frauen gehen nicht unbedingt auf die Tanzfläche, sondern stehen am Tisch auf und fangen an zu tanzen. Und die Schwarzen haben einfach so dermaßen viel Rhythmus und Soul im Blut, dass ich den ganzen Abend nur zugucken könnte. Wirklich wahnsinn.



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