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Moment des Heimwehs (03.06.2006)

Sitze gerade auf dem Flughafen in Moskau und warte, bis die Maschine aus Berlin landet. Meine Cousinen kommen zu Besuch. Habe mich an einen der Tische vom Café in der Halle gesetzt. Mich überkommt das Heimweh. Die ganze Atmosphäre lässt mich an Deutschland denken. An meine Freunde. Meine Schwester. Ich fange an zu schlucken. Die Tränen steigen mir in die Augen. Warum nur? Ich will das gar nicht. Aber es passiert einfach. Ich schreibe SMSen nach Deutschland. Dort ist gerade schlechtes Wetter. Aber das hilft mir auch nicht weiter. Stelle mir vor, wie alle um mich herum wieder Deutsch sprechen. Ich geh’ an die Theke und bestell’ mir einen Café. Auf deutsch. Einen Latte. Einen richtigen Latte wie ich ihn kenne. Und ich bekomme meinen Café mit einem Lächeln serviert. Schluchz. Das ist für mich gerade Deutschland. Aber stattdessen sitze ich schon 20 Minuten an diesem Tisch in Moskau und niemand kommt, um meine Bestellung aufzunehmen. Aber daran habe ich mich eigentlich ja schon dran gewöhnt. Eigentlich ist es alles auch gar nicht schlimm. Ein wenig Heimweg tut ja auch ganz gut. So weiß ich auf jeden Fall, dass in Deutschland noch ein Zuhause ist. Und gleich ist wieder alles vorbei und das Leben geht weiter.

Eröffnungsspiel der WM (10.06.2006)

Ich bin im Stress. Habe mir den ganzen Tag frei genommen, um die Fußball-Weltmeisterschaftsübertragung bei uns im Haus vorzubereiten. Ich schwitze. Die Gemälde der derzeitigen Ausstellung im Saal nehme ich mit großer Vorsicht von den Wänden. Es darf nichts kaputt gehen. Zu wertvoll sind diese Bilder. Ich stelle die Stühle und Tische auf. Rücke sie hier und da immer wieder neu zurecht. Aus dem politischen Ambiente soll ein gemütliches entstehen. Fußball eben. Auf jedem Tisch steht ein Aschenbecher. Es daf geraucht werden. Das ist sonst eigentlich verboten. Aber Fu-ball ohne Zigarette und Bier geht gar nicht. Die weißen Wände verziere ich mit Luftschlagen. Vereinzelt hänge ich ein paar Luftballons dazwischen. Und tatsächlich, der Saal wirkt gemütlich. Das Sofa und die schwarzen Ledersessel aus dem Foyer tragen ebenfalls dazu bei. Es entsteht eine kleine VIP-Area direkt vor der Leinwand, auf der ein Beamer gerade MTV überträgt. Musik. Videos. Immer wieder bleibe ich stehe und sauge die Bilder und Töne auf. Werbung. Klingelton-Werbung. Seit vier Monaten habe ich keine deutsche Klingelton-Werbung mehr gesehen. Jamba, ZED und Co. Herrlich.

Im Foyer habe ich meine Stände aufgebaut. Wie das Fußball-Quiz. Meine sorgsam mit Buntpapier beklebte Box befestige ich an dem Tisch, damit sie keiner klaut. Bei den Russen weiß man ja nie. Später aber merke ich, dass niemand auch nur den Versuch gewagt hat, die Box mitzunehmen. Warum auch? Was will er mit den Zetteln, die die Besucher ausgefüllt und sorgsam zusammengefaltet haben?

Es ist 17 Uhr. Um 18 Uhr beginnen offiziell die Kurzfilme zum Thema Fußball, die ich vom Goethe Institut Moskau zur Verfügung gestellt bekommen habe. Sie haben auch die 2.500 Flyer gedruckt, die in ganz Moskau verteilt wurden. Eine wirklich tolle Zusammenarbeit. Die erste kulturelle mit uns. Warum auch immer ist bisher niemand auf die Idee gekommen, mit anderen Organisationen zusammenzuarbeiten.

Es ist 18 Uhr und es sind gerade mal 40 Leute im Saal. Viele lungern herum und wissen nicht so recht, ewas sie tun sollen. Die Kurzfilme scheinen sie nicht wirklich zu interessieren. Dabei sind sie wirklich gut. Aus jedem Land dieser Welt. Gute zwei Stunden lang.

19.30 Uhr hole ich Irina, die als Direktorin die Veranstaltung begrüßt. Danach bin ich an der Reihe. Satz für Satz spreche ich frei meine mir zuvor aufgeschriebene Rede. Und Satz für Satz übersetzt die Schülerpraktikantin der GTZ meine Worte. Ich bin weniger aufgeregt als erwartet. Gut so. Meine Danksagungen werden vom Publikum aufgenommen. Teilweise gibt es sogar Beifall. Bestätigung. Und dann wird das Fernsehprogramm von ZDF eingeschaltet. Das Spiel beginnt. Inzwischen haben sich gut 150 Leute im Saal versammelt. Es ist voll. Aber ohne Gedränge. Mit 300 Besuchern habe ich gerechnet. Ich will halt immer mehr als normal. Alle anderen sind hocherfreut über diese Veranstaltung. Sogar der Chef vom Goethe-Institut kommt zu mir und gratuliert.

Die Tore fallen, was man an der Lautstärke im Saal mitbekommt. Schnell laufe ich hinein, schaue mir die Zeitlupen-Wiederholung, freue mich mit den anderen und gehe wieder raus. Das Spiel interessiert mich ehrlich gesagt gar nicht. Ich habe die veranstaltung im Kopf und schaue, dass alles gut läuft. Räume hier und da die Bierbüchsen und Flaschen weg, leere die Aschenbecher und wusel herum.

Deutschland hat gewonnen. Die Stimmung ist riesig. Schnell greife ich mir das Mikro und beginne mit der Verlosung vom Fußball-Quiz. Um die 50 Leute haben daran teilgenommen, davon eine Hälfte Russen. Ziel erreicht. Denn mein kultureller Auftrag lautet ja, die verschiedenen Kulturen zusammenzubringen. Und so ziehe ich einen Gewinner nach dem anderen. Überreiche Fußbälle, Caps, Taschen, Zeitschriften, Mousepads, T-Shirts usw. Die Preise kommen gut an. Alle Besucher warten gespannt auf den nächsten Gewinnernamen.

Während des Spiels wurde ich zwei Mal von Leuten angesprochen, ob wir nicht auch das nächste Spiel heute übertragen würden. Und so mache ich den größten Fehler an diesem Abend. Ich frage nach der Verlosung, wer sich noch das nächste Spiel ansehen möchte. Eine handvoll Hände geht in die Höhe. Also lasse ich den Beamer weiter laufen. Doch leider bleiben gerade mal sieben Besucher bis zum Anpfiff. Drei davon gehen noch während des Spiels. Glücklicher Weise sind noch sechs Freunde mit mir geblieben und kämpfen gerade gegen die Müdigkeit. Das Spiel abbrechen kann ich nicht, denn das gibt schlechte Mund-zu-Mund-Propaganda. Da muss ich jetzt durch. Diese vier Fußballfans kommen dafür zum nächsten Spiel wieder, welches bei uns leider durch die zeitverschiebung erst um 23 Uhr beginnt.

Es ist bereits nach MItternacht. Endlich ist das Spiel zu Ende. Total geschafft räume ich grob den Saal auf, damit die Putzfrau morgen keinen total verdreckten Raum vorfindet. Mit Hilfe der anderen geht das sogar recht flott. Und so dümpeln wir totall kaputt nach Hause und fallen ins Bett.

Besuch im ARD-Studio (20.06.2006)

Der Tag begann wie immer mit dem morgentlichen Duschen. Inzwischen kommt die Spannung dazu, ob denn das Wasser auch warm ist. Denn irgendwann in den nächsten Tagen wird das warme Wasser bei uns für einen Monat abgestellt. Das ist in Moskau so üblich. Bei Tobi zu Hause ist es bereits abgestellt, und so schläft er bei uns, um nicht gleich zu Beginn des Tages einen Kälteschock erleiden zu müssen.

Nach dem Kaffe und checken der Mails gingen wir zusammen zur Metro. Um 10.30 Uhr waren wir mit Ina Ruck verabredet. Wenn ich ehrlich bin, habe ich ihren Namen zuvor noch nie gehört, aber als ich sie sah, kam sie mir schon etwas bekannt vor. Sie ist es also, die immer vor einer russischen Kulisse während der Tagesschau vor dem Mikrofon steht und über die Neuigkeiten aus Moskau berichtet. Eine wunderbare Frau. Und während wir in ihrem Büro saßen und von uns und unseren Berufen erzählten, kam kurz auch noch Klaus Bednarz herein. Eine noch größere Berühmtheit, wie ich später erfuhr.

Und so redeten wir und redeten wir. Ina bot uns gleich das Du an und erzählte uns alles. Wie sie zu diesem Job gekommen ist und wie es im Moskauer Studio abläuft. Und dann bekamen wir sogar eine Führung durch alle Räume, inklusive Studio. Ein Traum. Super nette Menschen. Eine wunderbare Atmosphäre. Ich wäre am liebsten gleich dageblieben.

Auch stellte ich ihr meine neue Projektidee vor. Zusammen mit dem Swissotel Moskau möchte ich ein paar Fotostudenten der Berliner Lette-Schule nach Moskau einladen. Wir zeigen ihnen die Stadt und sie haben drei Tage Zeit, Fotos zu machen. Wie ist ihre Sicht auf Moskau? Keine Sehenswürdigkeiten sollen fotografiert werden, sondern das Leben. Das Zwischenmenschliche. Gefühle und Emotionen. Was macht diese Stadt aus? Warum lohnt sich ein Besuch der größten Stadt Europas? Das Ganze soll als Wettbewerb gestaltet werden. Am Ende kürt eine geladene Fachjury die besten Fotos aus. Als Preise hoffe ich, Digitalkameras und Fotozubehör gesponsert zu bekommen. Morgen hat Waike vom Swissotel einen Termin bei der Lufthansa, die alle Flüge stellen soll. Die Lette-Schule ist bereits informiert und begeistert. Fehlen noch die Medienpartner aus Deutschland und Russland, um daraus ein wirklich großes Projekt zu machen. Und Ina Ruck findet die Idee gut. Hat allerdings auch gleich gesagt, dass es wohl etwas zu klein für die ARD ist. Aber ich soll regional anfangen und vielleicht wird es hochgereicht. Und so habe ich heute die ersten Kontakte zum RBB, zu Nachrichtenagenturen und zu freien Journalisten geknüpft. Die Tage werde ich versuchen, eine überregionale deutsche Tageszeitung zu gewinnen, die das dann begleitet. Was die russischen Medien betrifft, so muss Waike das organisieren. Da reichen meine Russischkenntnisse nicht aus.

Eine neue Idee. Ein noch größeres Projekt. Aber mit der WM-Übertragung hat es ja auch geklappt. Zwar bleibt für Deutsch-Russische Haus nur die Preisverleihung und eine Ausstellung, aber der Name und somit das Gesicht wird mal wieder gestärkt. Und vor allem habe ich eine neue Herausforderung. Lerne neue Leute kennen und kann ich erneut beweisen.

Tor!!! (20.06.2006)

Ja ich gebe zu, ich bin schon etwas stoz auf mich. Denn vor einer Stunde stand ich noch mit 130 Leuten zusammen vor der Leinwand in unserem Saal des Deutsch-Russsichen Hauses und feierte den Sieg gegen Ecuador. Zwar interessiert mich Fußball nachwievor nicht besonders, aber die Veranstaltung war mehr als gelungen. Mit 80 Leuten habe ich gerechnet und war mir nicht sicher, ob es überhaupt so viele zu uns treiben wird. Aber weder das gute Wetter, noch die Konkurrenzveranstaltung in der Deutschen Botschaft hielten die Fußballfans davon ab, bei uns das Spiel zu gucken. Toll. Und noch mehr freut mich, dass sich wieder so viele Russen darunter befanden. Denn was die Öffentlichkeitsarbeit betrifft, kann ich nur auf deutschen Internetseiten Werbung machen.

Ein Nachteil hat das ganze allerdings, nun muss ich Samstag arbeiten, denn dann spielt Deutschland im Achtelfinale. So langsam wird mir das wirklich zu viel. Besonders vor den Spielen. Den Saal aufbauen, Flyer kopieren, die Technik überprüfen und und und. Allerdings ist die Freude größer, wenn der Saal voll ist und es sich gelohnt hat. Und natürlich tut es mir auch gut, wenn die Leute zu mir kommen und sich bedanken für die tolle Idee, die WM aus dem deutschen Fernsehen zu übertragen. So kam heute z.B. eine Gruppe von Piloten, die morgens in Moskau gelandet sind und auch gleich wieder weiterfliegen müssen. Sie haben gegoogelt und sind auf unsere Seite gestoßen. Das ist schon Balsam für die Seele.

Da ist es dann doch schade, dass ich während des Finales im Flugzeug nach Kaliningrad sitze. An dem Tag, an dem die meisten Besucher kommen werden. Aber vielleicht auch ganz gut so, denn das Aufräumen danach wird dann sicher etwas länger dauern.



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